Veranstaltungen
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Fotos: Lothar Hirchert 
Gerd-Zeiger Vergleichsfliegen 2008 in Hoya
vom  1. bis 4. Mai  mit super Wetterbedingungen

Eindrücke von Wilhelm Janssen

Nicht nur das Wetter hatten die Hoyaraner gut im Griff, dafür konnten wir uns beim Organisationsteam nur bedanken! Sehr überzeugend die Gelassenheit, mit der sie Alles gemanagt haben.
Wie das Wetter konnte ich mich als Noch-Einsteiger ständig steigern, und das auch nur, weil wir 4 Vereinsflugzeuge mithatten, auch „meine“ K8. Am 1.Tag bekam ich einfach keinen Anschluss nach oben, hatte nach 4 Startversuchen bei ungewohnten 400m Ausklinkhöhe die Nase voll und glaubte schon nicht mehr Thermik fliegen zu können. Freitag war es dann nach dem 4. Start immerhin eine Außenlandung nach ca. 16km bei Rethem.   Am 3. Tag gelangen mir die ausgeschriebenen 178 km (Höpen-Winsen/Aller-), allerdings ohne Loggerhilfe; anders als mir versichert wurde sprang er nicht automatisch weiter und piepte auch nicht. Am letzten Tag konnte ich "ihn" dann auch bedienen und der Logger hat meine Navigation unterstützt über Scheeßel und Dorfmark und auch gepiept, allerdings nicht über der Ziellinie!



Das lag jedoch nicht am Logger, sondern am Endanflugrechner. Dieses veraltete Modell ist nämlich bei unserer K8 direkt unter dem Hut des Piloten angebracht und reagiert sogar auf Emotionen. Da hat er mir bei Hodenhagen in 1800m, 27km zum Ziel, Gleitzahl 28 und Rückenwind vorgerechnet (vorgegauckelt!), praktisch schon über der Ziellinie zu sein. Aber halt nicht wenn man einfach nur schnell fliegt, deshalb fehlten mir genau 3,4km. Inzwischen hat "er" das neueste update und wird bei Übermut in Zukunft heftig warnen! - Das Ganze kann aber in keinster Weise den Spaß schmälern, den mir das (Vergleichs-) Fliegen gemacht hat. Und woran erinnert man sich nach einiger Zeit? Genau, an die Besonderheiten eines Ereignisses. Mit einem Dankeschön an unsere Helfer, besonders auch an Bodos Adresse, möchte ich diesen persönlich gefärbten Hoya-Eindruck abschließen:

Luftikus WIM

Veranstaltungsprotokoll von Jan-Christoph Hirchert

Wenn ich an frühere Vergleichsfliegen zurückdenke, kommen mir meist zuerst dunkle Regenwolken, Nässe, Wind und Kälte ins Gedächtnis. Nachdem 2005 in Verden nur ein Wertungstag mit einer kleinst-Aufgabe zustande kam und 2006 in Rotenburg sogar überhaupt nicht über Land gegangen wurde, ließ das letztjährige 1. Gerd Zeiger Vergleichsfliegen immerhin noch zwei Wertungstage bei brauchbarem, aber recht windigem Wetter zu. Dieses Jahr sollte der Wettbewerb wieder in Hoya stattfinden, wobei schon im Vorfeld Erinnerungen an das letzte dort ausgetragene Vergleichsfliegen 2003 wach wurden, welches mit super Wetterbedingungen und guter Organisation einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Und um es vorweg zu nehmen: Der diesjährige Wettbewerb hat die 2003er Auflage noch in den Schatten gestellt!

Donnerstagmorgen wurde ich von Wilhelm abgeholt und wir begaben uns samt Astir-Anhänger auf den Weg. Die Wetterprognose für das Wochenende hätte besser gar nicht ausfallen können, und so konnte selbst die Tatsache, dass Wilhelm bei sich vor der Einfahrt eine Güllefütze mitgenommen hatte, die sein Auto in ein metallic-braun umgefärbt hatte und einen entsprechenden Geruch abgab, die Vorfreude in keinster Weise schmälern.

In Hoya angekommen, wurden zunächst die 5 vom Verein teilnehmenden  Flugzeuge (Ka-8, Astir, Discus 2, Ask21 und die SZD 55 von Klaus-Kristian) von den Vereinsmitgliedern zusammengesteckt und es wurde sich dann gemeinsam zum Briefing begeben. Dieses wurde von Norbert und Maren Dellinger gehalten, die zusammen mit den restlichen Hoyaranern einen super Job geleistet, und die Messlatte für die Organisation eines zukünftigen Vergleichsfliegens sehr hoch gesetzt haben. Die Aufgaben wurden mit 115km für die Einsteiger-, 197km für die Club- und 260km für die offene Klasse ausgeschrieben.

1.Wertungstag

Geschleppt wurde sowohl im F-Schlepp als auch im Windenstart, und so wurde das gesamte Teilnehmerfeld meist in ca. 45 Minuten in die Luft gebracht. Der Tag lief insgesamt relativ erfolgreich für den VfL Rotenburg:   Bernd wurde mit dem Discus vierter in der offenen Klasse, ich landete ebenfalls auf Platz 4 in der Clubklasse auf dem Astir, musste aber, nachdem ich mich in einem blauen Loch verbastelt hatte, am Rande des Schießgebietes in der Nähe von Hodenhagen auf einem Acker landen. 5 km weiter landete Klaus-Kristian, der ebenfalls den Anschluss an die Thermik verlor, auf dem Flugplatz Hodenhagen außen. Für Flugschüler Adam war es die erste größere Überlanderfahrung überhaupt, und er holte sich auch gleich den 2. Platz in der Clubklasse mit Unterstützung von Klaus Neumann, die zusammen die Ask21 pilotierten. Wilhelm hatte an diesem Tag Pech, kam auch im 4. Anlauf leider nicht an die Thermik heran und flog nicht ab. Dies war teilweise auch auf die für uns verwöhnte Rotenburger recht niedrigen Ausklinkhöhen zurückzuführen. Bei leichtem Rückenwind erreichte man manchmal gerade 300 Meter, wenn dann nicht ein Bart direkt in der Nähe des Ausklinkraumes stand konnte man fast schon wieder in Richtung Position fliegen, wenn man sich nicht gerade auf gewagte Bodenakrobatik einlassen wollte.

2.Wertungstag

Dieser Tag sollte, bis auf Ausnahmen, weniger erfolgreich für den VfL verlaufen. Die Aufgaben bewegten sich in derselben Größenordnung wie am Vortag, nur wurde im Briefing klar, dass sich am späteren Nachmittag Überentwicklungen bilden würden. Wieder war das Feld schnell in der Luft schnell in die Luft geschleppt. Ich hatte jedoch Pech, fand beim ersten Versuch keinen Bart und musste mich wieder hinten anstellen. Beim 2. Versuch klappte es besser und ich fand kurz nach dem Ausklinken schon einen guten Bart mit 2,6 Meter integriertem Steigen. Bis zur 2. Wende (Lauenbrück) lief alles ziemlich gut, die Thermik ließ einen unter den massiven Cumulanten eigentlich nie im Stich. Doch kaum an der Wende angekommen, wurde es schwarz um mich herum. In Richtung Hoya stand nur noch eine dunkle Wand und die Sicht war gleich null. Da ich aber keine andere Wahl hatte, stieg ich noch einmal bis auf 1800 Meter und flog dann einfach ins Graue hinein. Das Regengebiet reichte bis zum Horizont und der starke Schauer wusch mich regelrecht herunter. Mit dem Vario fast am unteren Anschlag erreichte ich gerade noch den Rotenburger Flugplatz, wo ich dann im Follow-Me bei Kaffee und Kuchen auf Lothar wartete, der mein Rückholer an diesem Tag war. Bernd und Adam hatten mehr Glück, kamen früh weg und waren auch auf der Strecke schneller unterwegs, weshalb sie vor der Überentwicklung schon im Endanflug waren und sich den Tagessieg mit der Ask21 mit einem Schnitt von über 80 km/h sicherten, was auch am nächsten Tag beim Briefing für Lob und Anerkennung sorgte. Unsere anderen Teilnehmer hatten mit dem Wetter weniger Glück und brachen ihre Aufgabe ab bzw. landeten nicht weit von Hoya außen.



3.Wertungstag


Dies sollte DER Tag schlechthin werden. Das Wetter hatte sich stabilisiert, gute Steigwerte waren vorausgesagt und die Aufgabengrößen zwischen 160 und 360km angesetzt. Spannung lag in der Luft als die Startaufstellung durchgeführt wurde, einige Piloten schleppten Wasserkanister durch die Gegend um vermeintliche letzte Stundenkilometer aus dem Schnitt heraus kitzeln zu können. Mitten im Startbetrieb passierte es dann: Ein Duo Discus wurde hinter einem Rotax Falken herausgeschleppt. Das ganze sah von außen schon recht langsam aus, und auch nach der Mitte der Startbahn war der Schleppzug noch längst nicht in der Luft. Am hintersten Ende der Bahn hoben sie dann träge ab, nahmen jedoch kaum Höhe und Fahrt auf. Über einer Halle, die in Verlängerung der Bahn stand und auch nur sehr knapp überflogen wurde, klinkte der Duo-Pilot dann schließlich aus und verschwand aus dem Blickfeld, indem er hinter der Halle abtauchte. Der Schrecken stand vielen Leuten am Start ins Gesicht geschrieben und ich überlegte mir, wie das Gelände dort ausgesehen hatte: Direkt der Fabrikhalle floss die Weser, woraufhin dicht bebautes Gebiet folgte. Wo sollte der Duo da bloß gelandet sein?? Nach einigen bangen Minuten dann die erlösende Nachricht von einem Schlepppiloten: das Flugzeug sei sicher auf einer kleinen Wiese gelandet. Als ob dies nicht schon genug für die Besatzung des Duo Discus gewesen sei, holten sie ihren Flieger mit dem Anhänger schnell zurück an den Platz und starteten erneut!! Ansonsten lief der Wertungstag einwandfrei, alle unsere Piloten erledigten ihre Aufgabe mit Bravour, Wilhelm holte sich in der Holzklasse den 5. Platz, Dirk und Klaus-Kristian landeten auf Platz 9 und 18 in der offenen, Bernd holte sich mit Moritz in der Clubklasse auf der ASK den dritten Platz trotz falsch programmiertem Logger, dicht gefolgt von Björn auf Platz 4, der mit einem Schnitt von fast 80 km/h viel Lob von den VfL’ern für seine Leistung erhielt. Besonders Klaus war sehr erfreut, dass es durchaus fähigen Nachwuchs für den Streckensegelflug in unserem Verein gäbe und er sich irgendwann beruhigt zur Ruhe setzen dürfe.

Am Abend stand dann die traditionelle Abschlussfeier mit dazugehörigen, gemeinsamen Grillen auf dem Programm. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Wettbewerb für die Kinder abgehalten, die die Aufgabe bekommen hatten, nur aus einer Styropor- Platte ein flugfähiges Modell zu bauen, welches dann von einer Jury bewertet wurde. Hieran nahmen auch die Kinder von Christian v. Fintel und der Sohn von Bernd teil. Anschließend gab es noch das ein oder auch andere Bier bei Live-Musik, wobei sich eigentlich jeder der den Mut aufbringen konnte selber an Mikrofon und Gitarre beweisen konnte. Unter anderem haute auch der Sohn der Dellingers, Kai-Frederick ordentlich in die Saiten und sorgte für ausgelassene Stimmung. Da jedoch am Folgetag ebenfalls geflogen werden sollte, gingen wir relativ früh ins Bett und hatten eine mehr oder weniger bequeme Nacht, je nachdem ob man seine Zeltstangen dabeihatte oder auch nicht.

4. Wertungstag und Siegerehrung

Am letzten Tag wurden trotz gutem Wetter kleinere Aufgaben als am Vortag ausgeschrieben, da man zwecks Abreise etc. gerne um ca. 18 Uhr mit der Siegerehrung anfangen wollte. Wieder kamen alle Vereinsmitglieder nach vollendeter Aufgabe sicher zum Platz zurück, nur Wilhelm musste sich noch kurz vorm Platz einen Acker suche, da die Endanflughöhe minimal zu gering war. Nach der Siegerehrung fuhren wir alle erschöpft und mit von der Sonne geröteter Haut nach Hause, waren aber dennoch gut gelaunt und werden uns noch gerne an dieses Vergleichsfliegen zurückerinnern, wo endlich einmal wieder das Fliegen im Vordergrund stand und sich alle Anwesenden mal wieder richtig sattfliegen konnten.

Jan-Christoph Hirchert


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VfL-Rotenburg (Wümme) e.V.
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aktualisiert am 29.05.2008