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Text: Hans-Joachim Neupert
Stintessen 2011
am Freitag dem 11. März fand das 9. traditionelle Stintessen des VfL statt

Traditionelles Stintessen 2011

Freitag, 11. März 2011


16.00 Uhr – Anruf von Leon – Liegt mit Fieber im Bett - Kann leider nicht mitkommen - Schade.

Ich lege mich noch ein Weilchen aufs Sofa, komme gerade aus der Dusche, Haare nass, Föhn mit Magali in Paris.
Es klopft plötzlich an der Tür. Nany schon da? Ich schaue auf die Uhr! Mist und „merde“, 17.45 Uhr . War voll im Reich der Träume. Nun aber dalli dalli, nix wie los, Moni vom Salon abholen, wieder zurück. Nany wartet schon ungeduldig und ab geht’s, Kurs Hoopte an der Elbe. Ab Maschener Dreieck übernimmt jetzt Nany das Franzen, kann sie gut.

Wir fahren eine kurze Strecke am Deich entlang, vor uns Grubes Fischerhütte. Es ist inzwischen stockdunkel und es geht auf halb Acht zu. Parkplatz ist auch wieder so ein altes Übel, wir schauen dann mal in der hintersten Ecke, wie jedes Jahr und unser Auto passt gerade eben noch auf den Hof.

Die Hütte ist gerammelt voll und immer noch kommen neue Gäste dazu. „Moin Kaptain“, begrüße ich den Kassierer am Eingang.
„Gruppe „WERNER“ halber Preis“, versuche ich mein Glück.
„Mit 17 Euro biste dabei, mien Jung“, antwortet der nette Herr.
Mal zwei macht 34 Euro und der Fünfziger ist so gut wie verdampft.

Wir gehen die Treppe hinauf. Die Flieger sitzen wie immer an drei Tischen am Fenster und sind schon alle, ich zähle 21Personen, fleißig mit dem Stint beschäftigt. Sitzplätze sind knapp, verzweifelt schauen wir uns um. Am Büffet ist gerade nicht sehr viel Betrieb. Ich hole mir dann doch erst mal etwas Leckeres, ein Plätzchen wird sich schon finden. Nicht jedem oder jeder gefällt es bei Fischer`s Grube. Rüdiger hört das gar nicht gerne, plant aber im nächsten Jahr das Nachbarrestaurant fest ein.

Norbert sieht das mit dem Stint dagegen ganz anders. „Das Beste am Stint ist der Beifang“, schwärmt er. Ich muss ihm da voll zustimmen und packe mir auch ein paar Teile vom Räucheraal auf den Teller. Geräucherter Aal war schon im alten Atlantis eine geschätzte Delikatesse. Nun noch etwas Weißkraut, Möhrensalat, knusprig braungebratene Kartoffelscheiben, eine Scheibe fein geräucherter Lachs und obenauf ein Spießchen mit sieben Stinten. Ich bevorzuge möglichst die ganz Kleinen, nicht länger als 10 Zentimeter. Die schmecken nicht so fischig, tranig, ölig und man kann alles mitessen. Aber das ist ein Geheimtipp unter Feinschmeckern, darf ich eigentlich gar nicht veröffentlichen.

Was ist das eigentlich für ein seltsamer Fisch, der Stint und warum gibt es ihn gerade jetzt in so großen Mengen?
In den Monaten Februar und März ziehen die etwa 15 Zentimeter langen, silbrigen Fische in großen Schwärmen aus der Nordsee zum Laichen die Elbe hinauf. In der Oberelbe bei Hoopte legen die Stinte ihre Eier auf Sandbänken ab. Nach etwa 10 bis 12 Tagen schlüpfen die jungen Stinte und werden mit der Strömung durch den Hamburger Hafen bis ins Brackwasser gespült, wo sie sich nach zwei bis drei Jahren der Jugend wieder im Süßwasser bei Hoopte vermehren. Rund ein Drittel der Stinte, die zur Familie der Lachse gehören, stirbt jedes Jahr auf natürliche Weise. Ein ausgewachsener Stint vermehrt sich etwa dreimal im Leben, ehe er dann verendet.

Von Genießern wird der Stint heute liebevoll auch „der Lachs des Nordens“ genannt. Früher jedoch, so 100 Jahre zurück, da war der Stint aber gar nicht so beliebt. Er galt als Arme–Leute-Essen und wurde sogar als Dünger für die Felder genutzt.
Heute gilt er als leckerer Kleinfisch, eine Delikatesse der besonderen Art.

Der Fang ist ein Knochenjob. An Land wird der Fisch von fleißigen Händen ausgenommen, der Kopf kommt ab. Nach dem Salzen wird der Stint in körnigem Roggenmehl gewälzt und in frischem Öl goldgelb und knusprig gebraten. Dazu werden Bratkartoffeln, Kartoffel- und Gurkensalat gereicht. Zum Schluss muss der Fisch bekanntlich ja wieder schwimmen. Das kann man mit einem Glas Wein erreichen, dann aber bitte Weißwein (Rotwein zum Fisch trinken nur die Russen, siehe BOND 2: Liebesgrüße aus Moskau). Als kerniger Norddeutscher bevorzugt man natürlich ein frisch gezapftes, großes Bier. Das gehört einfach dazu und rundet das Menü so richtig ab.
In einer Hand den prall gefüllten Teller mit den Delikatessen, in der anderen einen Krug, gefüllt mit kühlem Gerstensaft, begebe ich mich zurück zu unseren Vereinskameraden. Die Gemeinschaft der Segelflieger ist zusammengerückt und alle haben Platz zum Essen und Plaudern.

Bei einem Teller bleibt das natürlich nicht. „Stint satt“ heißt, man kann und sollte so viel essen wie man möchte oder schafft. Viele gehen zwei, drei mal oder öfter zum Büffet, nachladen. Auch Udo treffe ich hier. Er packt sich aber nur noch Bratkartoffeln, Salat und anderen „Nichtfisch“ auf seinen Teller. Fisch ist absolut nicht sein Ding, aber voller Stolz berichtet er mir von seinem Kampf mit den Stinten. Sieben hat er besiegt, sind alle jetzt in seinem Magen, aber es war ein harter Kampf. Für dieses und die nächsten fünf Jahre hat Udo wohl genug vom Fisch, er freut sich schon auf die Spargelzeit.

Ganz anders dagegen Christian v. F. Er leidet an diesem Abend an einer unergründlichen Konditionsschwäche. Nach 5 Spießen, das sind 35 Stinte wirft er, der sonst mindestens 50 Stinte locker verputzt, das Handtuch. Hoffentlich fühlt er sich bald wieder besser.

Man tauscht die Plätze, schnackt hier und dort. Norbert präsentiert unseren neuen Vereins-Flyer. Ist echt gut geworden, wir haben ja auch lange genug daran herum gedoktert. Vereinzelt wird konstruktive Kritik geäußert. So soll es ja auch sein, und viele Anregungen konnten noch Berücksichtigung finden. Der Flyer geht jetzt in Druck.

Es geht auf 22.00 Uhr zu und der größte Teil der Gäste ist bereits auf dem Heimwege. Rüdiger als Gastgeber und wie immer Perry mit seinen Mädels bilden die Nachhut. Nachts ist es doch immer noch sehr kalt, aber der Himmel ist sternenklar und hell leuchtet die Mondsichel. Der Mondbauch zeigt nach rechts und die Aushöhlung nach links. Mit etwas Fantasie bildet der Mond ein großes „Z“, das Zeichen des „ZORRO“. Das bedeutet, dass wir bald Vollmond haben werden. Noch einmal eine Mondphase, und wir suchen Ostereier. In früheren Zeiten war ja Karfreitag bekanntlich der Tag des Anfliegens, das hat aber vielen Leuten nicht immer gefallen.

Mit Ostern ist das nämlich auch so eine Sache, die kaum einer versteht. Mal feiern wir Ostern im März, mal im April. Warum eigentlich?
Die Kirche hat im 4. Jahrhundert festgelegt, dass Ostern auf einen bestimmten Sonntag fällt, nämlich den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Frühlingsanfang. Der 22. März ist somit der früheste Termin und der 25. April der späteste. Die Osterzeit dauert von Palmsonntag (das ist der Sonntag vor Ostern) bis Pfingsten, also genau 57 Tage.

Die Rückfahrt verläuft für Moni fast zeitlos. Kaum im Auto eingestiegen ist sie auch schon weggenickt. Nany darf fahren und ich muss franzen. Plötzlich, so Höhe Stelle eine Leuchterscheinung am Himmel. Für ein UFO nicht hell genug, auch kein Blitz, aber eine kleine Sternschnuppe, wenn auch von kurzer Brenndauer, war`s doch und ich wünsch mir schnell was.

23.15 Uhr. Wir sind wieder zu Hause.
„Perry“, flüstert Nany mir ins Ohr, „nächstes Jahr müssen wir aber unbedingt eine halbe Stunde früher losfahren“. „Ja, Cherie, müssen wir unbedingt“, antworte ich. „Wir müssen uns das nur auch bis nächstes Jahr merken. Am besten wir schreiben uns das auf“. „Mach du das mal“, flüstert Nany kaum hörbar, dann ist sie auch schon eingeschlafen. Ich nehme noch einen kleinen Schluck vom „eau-de-vie“, dann falle auch ich in einen traumlosen, erholsamen Schlaf und erwache früh und regeneriert am nächsten Morgen, bereit zu neuen Abenteuern.

Das war das 9. traditionelle Stintessen. Wir haben uns gefreut, dass wir dabei sein durften.

Lieber Rüdiger, vielen herzlichen Dank für die Organisation !!!
Im nächsten Jahr möchten wir sehr gerne doch wieder in Grube's Fischerhütte einkehren. Schon allein wegen dem Beifang! Und was soll Udo sonst essen?

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aktualisiert am 31.12.2011