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Text: Hans-Joachim Neupert (Perry)
Theaterbesuch 2013
am Samstag dem 07. Dezember ging es ins Ohnsorg Theater nach Hamburg

WEIHNACHTSMÄRCHEN 2013

Samstag 07.12.2013 - VfL Weihnachtsfeier –


Es ist schon merklich hell in meinem Schlafzimmer, als ich am Morgen dieses erwartungsvollen Tages erwache. Kein Wunder, der Wecker ist nicht gestellt und ein kurzer Blick in Richtung dieses ansonsten so übel nervenden Gerätes zeigt mir an, dass es schon auf 9:00 Uhr zu geht. Ich ziehe die Vorhänge zurück und öffne die Fenster. Mir präsentiert sich unter einem strahlend blauen Himmel eine verzauberte Winterlandschaft, wie aus dem Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Der Orkan „XAVER“, der zwei Tage über Norddeutschland hinwegfegte und den Schülern einen freien Tag bescherte, brachte am Ende seines Tobens auch Kälte und Schnee in die „nördlichen Provinzen des ehemaligen Imperium Romanum“. Ein herrliches Wochenende steht uns bevor.

Zuerst einmal heißt es jetzt aber: „Bürgerpflicht erfüllen“ – Schneefegen !!!
Ungefähr 5 Zentimeter der weißen Pracht bedecken die Gehwege und müssen in einer Breite von einem Meter bis 8:30 Uhr geräumt sein. Für mich kein Problem, sofern ich nicht unter Zeitdruck stehe. Die Arbeit ist schnell getan. Bei Bäcker Müller nebenan kaufe ich leckere, ofenfrische Brötchen, besorge noch schnell ein paar Scheiben geräucherten Lachs und als ich unsere Wohnung wieder betrete, duftet es schon überall nach frischem Bohnenkaffee. Fischbrötchen zum Frühstück, dazu ein Glas Orangina (Orangenlimonade mit viel Fruchtfleisch; wurde bis vor ein paar Jahren nur in Frankreich verkauft) und eine Tasse Kaffee, welch ein Genuss. Das Mittagessen muss heute mal ausfallen, denn Christian hat bereits für 17:00 Uhr ein großes Chinabüffet bestellt. Vor dem „kulturellen Erguss“ kommt der „kulinarische Genuss“, so in etwa lautet die Devise des Organisators unserer Weihnachtsfeier.

Die Theaterkarte beinhaltet auch eine Fahrt zum Veranstaltungsort und zurück im HVV-Gesamtbereich, der beginnt aber erst ab Tostedt. Rotenburg – Tostedt und zurück kostet mit der Bahn ungefähr 12,50 Euro; nicht gerade preiswert. Also organisiert man sich, unter Segelfliegerkameraden kein Problem! Bernd Kröger bietet Mitfahrgelegenheiten in seinem über 20 Jahre alten Bus an. Gerd Mante, seine nette Frau Ute und ich, wir sind nicht ängstlich und nehmen sein Angebot gerne an.

Pünktlich um 15:15 Uhr hält der Bus von Bernd und Elke vor meiner Haustür. Nicht einmal 10 Sekunden habe ich an der Straße warten müssen. Das ist „Timing“ in Perfektion. Nun soll ich mich auch noch anschnallen, aber der Gurt ist zu kurz. Beim fünften Versuch habe ich aber doch noch Erfolg. Alles lacht. Vom Check vor dem Abflug wird gesprochen. Ich kontrolliere noch einmal instinktiv meine Ausrüstung: Geld, Brille, Handy, Theaterkarte, Hausschlüssel, gut, alles dabei! Plötzlich wird Gerd kreidebleich im Gesicht. „Die Karten, wo sind die Eintrittskarten“, stammelt er verzweifelt. „Sie liegen noch auf dem Küchentisch“, fällt es ihm schuldbewusst wieder ein. Bei nächster Gelegenheit reißt Bernd das Steuerrad herum, wendet seinen Youngtimer, gut das ich angeschnallt bin, und es geht zurück in die Tannenberg Straße.

Wir sind aber noch gut in der Zeit. Um 15:50 Uhr erreichen wir den Bahnhof am Rande von Tostedt. Bernd erblickt eine preiswerte Tankstelle und versucht einen Tank voll Diesel zu bunkern, der Zapfhahn verweigert jedoch seine Mitarbeit. Nun wird es höchste Zeit einen Parkplatz zu suchen. In den letzten 12 Monaten ist auf dem Bahnhofsgelände ein neues Parkhaus entstanden, noch aber ist das Abstellen von Fahrzeugen gebührenfrei.

Auf dem Bahngleis wartet Norbert schon auf uns. Pünktlich um 16.10 Uhr fährt der „METRONOM“ ein. Schon wenige Minuten nach Abfahrt des Zuges werden wir vom Schaffner kontrolliert. Ein kurzer Blick auf unsere Theaterkarte genügt ihm und er geht zufrieden weiter seiner Arbeit nach. In der Gemeinschaft der Flieger folgt der Zeitfluss gänzlich sonderbaren Regeln. Kaum gewinnt der Zug merklich an Geschwindigkeit, haben wir unser Ziel, den Hamburger Hauptbahnhof auch schon erreicht. Hier herrscht ein quirliges Kommen und Gehen von Menschenströmen und ich muss höllisch aufpassen, den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren.

Vor dem Bahnhofsgelände halten wir noch kurz ein kleines Briefing ab. Norbert möchte gerne über den Weihnachtsmarkt schlendern, wird aber auf später vertröstet. Gerd bietet sich als „Führer“ an, denn er hat die Karte genauestens studiert, ist also professionell vorbereitet und weiß, wo es langgeht. „Acht Minuten bis zu MR. CHERNG“, sage ich laut und schon setzt sich die Gruppe mit Gerd und Ute an der Spitze, immer schneller werdend, in Bewegung.

Im Vorbeigehen genieße ich den Budenzauber, die vorweihnachtlichen Gerüche und den Lichterglanz um uns herum. Der Zusammenfluss all dieser Eindrücke entführt mich weit, weit zurück in eine Welt voller nostalgischer Erinnerungen an meine Kindheit.

Der Begriff NOSTALGIE leitet sich von den beiden griechischen Worten „nostos“ (Rück- oder Heimkehr) und „algos“ (Schmerz) ab. Der ist heute leider oft mit einem allzu negativen Beigeschmack belegt, den er gar nicht verdient. Denn warum ist eine Rückkehr, eine Besinnung auf Vergangenes unbedingt etwas Schlechtes? Gerade in derart schnelllebigen Zeiten wie heute tut es manchmal gut, ein wenig inne zu halten, zurückzublicken, sich zu erinnern, um daraus Kraft und Motivation für die Gegenwart und die Zukunft zu schöpfen.

Für uns Kinder war die Weihnachtszeit immer auch mit einem Weihnachtsmärchen verbunden. Die habe ich geliebt, diese Theatervorstellungen. Ich kann mich noch gut an den kleinen Muck und an Zwerg Nase erinnern. Da hat Schule noch Spaß gemacht. Ab 1965 wurden dann die Adventsvierteiler im ZDF am Sonntagabend zum Höhepunkt der Woche; das ging so bis 1983. Wer erinnert sich nicht gerne an ROBINSON CRUSOE, die SCHATZINSEL, TOM SAWYER UND HUCKLEBERRY FINN und dann waren da noch LEDERSTRUMPF und CAGLIOSTRO und natürlich der SEEWOLF und viele andere mehr. Auch die großen Karl May Verfilmungen der 60er Jahre mit WINNETOU UND OLD SHATTERHAND gehören zu Weihnachten wie der Tannenbaum, der Adventskranz und der Weihnachtsbraten. Karl May hat sogar ein Buch mit dem Titel „Weihnachten“ geschrieben. Die Handlung spielt natürlich im Wilden Westen.

Die Adventszeit gehört mit zu den schönsten Zyklen des Jahres. Für die gläubigen Christen ist es das Warten auf die Ankunft des Messias, für viele Kinder die Vorfreude auf die Weihnachtsgeschenke und gleichzeitig bedeutet Weihnachten auch das Ende der dunklen Tage. Ein Kreislauf unseres Planeten um die Sonne ist vollzogen. Ab dem 21.Dezember werden die Tage wieder länger.

Die christlichen Festtage im Jahreslauf sind keineswegs eine Erfindung der ersten Christen, schon die Kelten zelebrierten diese Feste. Diese „heiligen“ Festtage sind uralt und lassen sich heute nicht zurückdatieren. Die Festlegung der Feiertage erfolgte nach astronomischen Vorgaben. Auch der Maifeiertag ist keine Erfindung der Neuzeit. Die Kelten feierten am 1.Mai das BELTANE Fest, die Vereinigung von Priesterin und Priester. Ein Fruchtbarkeitsritual wurde vollzogen, um die Macht des Herrn und der Herrin in die Welt zu bringen. Am 21. Dezember ist der Wendepunkt des Jahres erreicht. Die Wintersonnenwende (kel. Alban Arthuan) war auch für die Kelten ein sehr wichtiges Ereignis und wurde mit einem großen Festakt begangen. Die Christen haben ab dem 4.Jahrhundert diese Feiertage übernommen, umbenannt und um ein paar wenige Tage verschoben.

In England verboten strenggläubige Puritaner ab dem Jahre 1647 das Feiern von Weihnachten, weil es heidnischen Ursprungs ist. Die Kirchen wurden verschlossen, aber die Bevölkerung feierte das Weihnachtsfest trotzdem. Ab 1660, als die Monarchie wieder eingesetzt wurde, konnten die Menschen dann endlich legal Weihnachten feiern.
„Wir sind schon da“! ruft Norbert und reißt mich damit aus meinen Tagträumen heraus, zurück in die laute Realität der Großstadt. Im Restaurant treffen wir auf unsere Kameraden. Immerhin sind wir beim Essen stolze 25 Personen, davon wollen 20 auch mit ins Theater. An einem langen Tisch nehmen wir Platz und bekommen auch schnell die Speisekarten gereicht. Die meisten entscheiden sich für das Büffet, da findet man immer etwas Leckeres, allerdings ist die Gefahr groß, dass man viel zu viel isst.

Das Lokal ist groß, laut und bis auf den letzten Platz ausgebucht. Ohne Vorreservierung hätten wir hier nichts zu Essen bekommen. Eigentlich ein gutes Zeichen für Qualität! Trotz der Vollheit muss keiner lange am Büffet anstehen. Schnell ist mein Teller randvoll mit den erlesensten Leckereien gefüllt. Es gibt gebratene Nudeln, Hühnerfleisch in Kokosmilchsoße, knusprig gebratene Ente, Calamares, verschiedene Soßen und Reis. Auch Sushiröllchen in den verschiedensten Varianten finden ihre Liebhaber. Natürlich kann man sich auch die eine oder andere Köstlichkeit frisch zubereiten lassen. Dazu gehören Muscheln, Garnelen und Kängurufleisch.

So manch ein Fliegerkamerad kann schon ganz gut mit den Stäbchen essen. Auch Bodo wollte diese Methode der Nahrungsaufnahme einmal zelebrieren. Als er dann aber die leckeren Delikatessen vor sich auf seinem Teller betrachtet, nimmt er doch lieber die Gabel in die Hand. Alles andere dauert wahrscheinlich viel zu lange. „Beim Essen verhungert“, hätte am nächsten Tag in der „BILD ZEITUNG“ gestanden!

Zum Nachtisch gibt es leckere Früchte und viel Eis. Udo entdeckt seine Vorliebe für eine wohlschmeckende graue Eismasse. Sie schmeckt auf jeden Fall nicht nach Fisch, das kann ich bestätigen. Das Geheimnis dieser Eissorte konnte bis heute nicht aufgeklärt werden.

So gegen 19:00 Uhr wird es immer voller in der Gaststätte und die Kellner entziehen uns schon einen Tisch, so in Bedrängnis sind sie. Für uns ein Zeichen zum Aufbruch. In aller Ruhe zahlen wir, dann verabschieden wir uns von den Kameraden, die nicht mit ins Theater möchten und schlendern dann ganz entspannt über den Weihnachtsmarkt in Richtung Ohnsorg Theater. Der Einlass in das Theater erfolgt vollkommen stressfrei, denn es gibt nur Platzkarten. Ich sitze Parkett links, Reihe 10, Platz 11 (27,50 EUR), zwischen Chantal und Sabine. Ein guter Platz.

Verrückter, nervenaufreibender und quirliger wie das Stück „ALLENS UT DE REEG“ (hochdeutsch: Außer Kontrolle) kann eine Komödie kaum sein. Die Handlung ist schnell erzählt:

Ein hoher Politiker plant anstelle einer Sitzung im Rathaus eine Liebesnacht mit einer Sekretärin, die auch noch ausgerechnet bei der Opposition angestellt ist. Die beiden Verliebten wollen es sich gerade mit aphrodisischen Delikatessen, wie Austern Kaviar und Sekt, in ihrer Hotelsuite gemütlich machen, da geraten sie in eine äußerst prekäre Situation. Hinter dem Vorhang befindet sich ein scheinbar Toter, erschlagen von einem herab gefallenen Fenster. Was tun, die Direktion benachrichtigen oder die Polizei alarmieren? Die Presse würde Wind davon bekommen, die Affäre auf die Titelseiten bringen und die Karriere eines „überaus engagierten“ Senators wäre im Nu beendet.

Schnell wird des Senators Sekretär herbeigerufen, um die unangenehme Angelegenheit so diskret wie möglich aus der Welt zu schaffen. Er gibt mehr als sein Bestes, aber das Leben hält viele Überraschungen bereit. Nichts verläuft wie geplant und nach und nach läuft alles aus dem Ruder. Plötzlich treffen auch noch unerwartete Gäste ein. Der Kellner wird immer geldgieriger und der eifersüchtige Ehemann der Sekretärin ist kaum noch zu bändigen. Eine resolute Krankenpflegerin mit Liebeswallungen, der auf Ordnung und Moral bedachte Manager des Hotels und nicht zuletzt die attraktive Gattin des Senators, sie alle sorgen für turbulente Verwicklungen.

Als auch noch der „Todgeglaubte“ Auferstehungstendenzen zeigt, gerät die Situation vollkommen „außer Kontrolle“...

Um 22:15 Uhr endet die Komödie mit einer überraschenden Pointe. Ganz große Klasse und unter lautem Beifall erscheinen alle Schauspieler noch mehrmals auf der Bühne und verabschieden sich so, wie es beim Theater üblich ist.

Ray Cooney, der Autor unseres Weihnachtsmärchens, wurde im Jahre 1932 in London geboren und ist heute einer der produktivsten und erfolgreichsten Komödienautoren. Mit akribischer Genauigkeit gelingt es dem Schriftsteller absurd erscheinende, aber mit zwingender Logik ablaufende bürgerliche Katastrophen zu konstruieren, die in atemberaubendem Tempo über die Bühne jagen und Figuren von einer Katastrophe in die nächste, von einer Notlüge in die nachfolgende treiben.

Mit ziemlicher Sicherheit ist der Komödienautor und Drehbuchschreiber Ray Cooney ein großer Liebhaber von Alfred Hitchcocks Filmen aus den 50er Jahren. Zwei Filme des Meisterregisseurs haben ihm höchstwahrscheinlich besonders gefallen und zu diesem grandiosen Theaterstück inspiriert. Gleich zu Beginn der ersten Szene musste ich an Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ (1954) und an „Immer Ärger mit Harry“ (1955) denken. Im letztgenannten Film spielt übrigens die süße Shirley MacLaine, deren schauspielerisches Talent von Alfred Hitchcock entdeckt wurde, ihre erste Filmrolle.

Langsam neigt sich der Abend dem Ende entgegen. Die Ausgabe der Mäntel geht ziemlich zügig voran. Wir sagen den Kameraden, die nicht zu unserer Fahrgemeinschaft gehören, „Tschüß“, wie man in Hamburg so sagt und wenig später befinden wir uns auch schon auf dem Weg zu den Gleisen.

Die Rückfahrt verläuft ziemlich ereignislos, nur das Anschnallen in Bernds Bus, das ist mir auf der Rückfahrt nicht gelungen. Nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen resigniere ich genervt und gebe es auf. Der Gurt lässt sich einfach nicht weit genug herausziehen, irgendwie klemmt er, es fehlen immer so knapp 10 cm. Vielleicht trägt aber auch „der Chinese“ eine gewisse Mitschuld an dem Gurtproblem, wegen seiner Aufforderung zum „ALL YOU CAN EAT“, die ich gehorsam befolgt habe. Ich vertraue einfach Bernds Fahrkünsten, denn er fährt so wie er fliegt, immer in Perfektion. Ein wahrer Meister der Fortbewegung. Zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Punkt Mitternacht bin ich wieder zu Hause. Ein erlebnisreicher Tag geht zu Ende.


Lieber Christian! Vielen Dank für diese wunderschöne Weihnachtsfeier.


Ich wünsche allen Fliegern und ihren Angehörigen ein Frohes und Besinnliches Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch in die neue Flugsaison 2014

PERRY
 

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aktualisiert am 03.02.2015