Veranstaltungen
Seite ausdrucken
Text: Hans-Joachim Neupert (Perry)
Kohl- und Pinkelwanderung 2015
am 25. Januar bei Temperaturen um 2°C
Sonnenaufgang: 08:14   -   Sonnenuntergang: 16:55
2 Grad Celsius – bewölkt – zunehmende Sichel – Vollmond ist am 3. Februar

Wie gepudert liegt die Landschaft Norddeutschlands unter einem grauen Winterhimmel. Am Vortag hat es ausgiebig geschneit. Ich habe Baustunden abgeleistet und mit Vereinskamerad Wilhelm eine Skulptur geschaffen. Einen echten Schneemann haben wir gebaut. Es hat so richtig Spaß gemacht, der Tag war gut und der heutige soll noch schöner werden.

Es ist 09:20 Uhr und wir sind auf dem Weg zum Treffpunkt. Am Haupttor zur „Lentkaserne“ erblicken wir im Vorbeifahren Familie Neumann. „Die werden sich doch wohl nicht verfranzt haben“, denke ich so bei mir. „Klaus ist doch ein hervorragender Navigator und ein noch besserer Pilot“. 30 Sekunden später sind wir auch schon am Ziel: „Nordtor Kaserne“. Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Die „Neumänner“ lassen mir keine Ruhe und so fahre ich mit Thomas schnell noch zum Haupttor, aber da ist niemand mehr zu sehen. Wir kehren zum Treffpunkt zurück.

Eine große Anzahl Kohlwanderer steht schon marschbereit in den Startlöchern. Traditionell begrüße ich alle Teilnehmer mit Handschlag, wie es sich gehört. Die jungen „Airliner“ haben auch schon eine Buddel Bier in ihrer behandschuhten Hand. Mir persönlich steht noch nicht der Sinn danach. Ist mir einfach noch zu früh! Jetzt fährt auch Familie Neumann vor. Wusste ich doch, Klaus macht selten eine Außenlandung. Udo und Bodo, die Organisatoren dieser 37. Grünkohlwanderung, haken jeden Eintreffenden auf ihrer Teilnehmerliste ab. „Es kann losgehen“, höre ich Bodo sagen. Unverzüglich setzt sich der Schwarm aus 60 Kohlliebhabern in Bewegung. Kurs 270 Grad. Immer der untergehenden Sonne entgegen. „Soweit die Füße tragen“, aber mindestens 10 Kilometer, das entspricht exakt 5,4 “Nautischen Meilen“.

Wir haben kaum 100 Meter zurückgelegt, als es plötzlich zu schneien anfängt. Aber so richtiger Schnee fällt da auch nicht vom Himmel. Es ist mehr eine Mischung aus Schnee und Regen. Richtigen Segelfliegern aber ist das Wetter egal, zumindest im Winterhalbjahr. Ich genieße die Schneeflocken, die meine Wangen streicheln. Meine Jacke im „Vintage-Stil“ schützt mich vor der Kälte und sie ist auch noch absolut wasserdicht. Dicke Ski-Handschuhe, bequeme Wanderstiefel und eine modische Mütze gehören immer auch beim Kohlwandern zur Pflichtausstattung. Die Niederschläge lassen schon bald nach und ein erster „Stopp“ wird eingeleitet. Ich hole ein kleines Gläschen hervor und ehe ich mich versehe, hat der liebe Udo es mit einem bunten Saft gefüllt, der meine Hirnwindungen ein klein wenig verdreht. Schnell füllt er noch einmal nach, schon geht es wieder schnellen Schrittes „westwärts“, Richtung „Amerika“. Die Säfte haben mir gut getan. Ich fühle mich wohl.

Der Tross aus Kohlfreunden zieht sich immer mehr und mehr in die Länge. Wir sind jetzt vielleicht so bummelich 5 Kilometer stramm marschiert, da erblicken meine „Adleraugen“ am Horizont ein Fahrzeug stehen. „Die Station, die Station!“, rufe ich voller Vorfreude auf das, was mich gleich erwartet. Und tatsächlich hat uns der liebe Bezirksschornsteinfegermeister „Matthias Rinn“, in alter Familientradition, leckere Köstlichkeiten mitgebracht. Ich begrüße den Meister herzlich, genieße anschließend Bodos würzigen Glühwein und schiebe mir ein paar „Negerküsse“ zwischen meine Kauleisten. Plötzlich erblicke ich Lothar und Annegret, die sich aus westlicher Richtung nähern. Sie haben schon mal ihr Auto zum Restaurant gefahren. Schnell füllt Udo noch einmal meinen Becher. Lecker, lecker, lecker so ein Becher mit heißem Glühwein. Und dann waren da noch die Mettenden. Zusammen mit Glühwein und Negerküssen, eine “kulinarische“ Erfahrung der besonderen Art. Vielen lieben Dank, lieber Matthias, für dein Engagement und all die Leckereien. Die bunten Säfte sind inzwischen ausgegangen und nur Julia hat noch etwas „Sprit“. Liebevoll füllt sie mein Gläschen mit „Weißem Rum“, auch nicht schlecht. Ich fühle mich wohl.
Nach geschätzten 30 Minuten wird die Wanderung fortgesetzt. Immer Kurs „zwo-sieben-null“. „Da kann man eigentlich nichts falsch machen“, haben Bodo und Udo wohl gedacht, als sie die Tour geplant haben. Bald haben wir Sottrum erreicht. Unser Ziel ist das Hotel und Restaurant „Röhrs“. Schnell sichern Norbert und ich mit Kennerblick eine Sitzecke für uns und unsere Gäste aus Hamburg. Jacke übern Stuhl gehängt, Schal um den nebenstehenden gewickelt, schon sind unsere „Duftmarken“ gesetzt. Nun gehe ich von Tisch zu Tisch und begrüße diejenigen, die leider nicht an der Wanderung teilnehmen konnten, dann aber schnell ab zum „Klo“.

Es dauert nicht lange und ein paar nette Mädels nehmen die Getränkebestellung auf. Zum Grünkohl trinken wir in Norddeutschland selbstverständlich ein Bier, ein „großes“ natürlich. Mit dem Bier dauert es noch ein Weilchen, aber die Grünkohlschalen werden bereits an den ersten Tischen verteilt und der Geruch des wohlschmeckenden Gemüses breitet sich im ganzen Festsaal appetitanregend aus.

Grünkohl zählt zu den vitamin- und mineralstoffreichsten Lebensmitteln, sein Vitamin-C-Gehalt übersteigt den der meisten Obstsorten. Seine sekundären Pflanzenstoffe und Antioxidantien gelten als natürliche Schutzschilde gegen diverse Krankheiten. Nachgesagt werden ihm entzündungshemmende cholesterinsenkende Eigenschaften.

Ursprünglich stammt der Grünkohl aus dem Mittelmeerraum. Norddeutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten als Grünkohl-Hochburg herauskristallisiert. Im Winter sollte regelmäßig Grünkohl auf den Tisch kommen. Frei nach dem Motto: „Gott schuf den Winter – und den Grünkohl als Mittel dagegen“. Am liebsten natürlich klassisch: “Mit Pinkel- und Kochwurst, Kassler, Schweinebauch und geräuchertem Speck“.

Der Grünkohl sieht wesentlich appetitlicher aus als im letzten Jahr und ist auch geschmacklich eine Wucht. Natürlich immer in Verbindung mit den Beilagen. Der Service ist gut, nur mein Bierglas hat irgendwo ein Loch. Die Kellnerin ist einsichtig und bringt mir ein neues Bier. Alle an unserem Tisch sind überaus zufrieden. Das Restaurant ist empfehlenswert.

Jenseits der Grenzen Norddeutschlands ist Grünkohl nicht gerade ein Stargemüse und fristet eher ein kulinarisches Aschenputtel-Dasein. Ganz anders jedoch in New York. „Kale“, wie die grünen Blätter auf Englisch heißen, ist derzeit das Trend-Essen der Millionenmetropole. Ob als Salat, im Ofen getoastet als Chips, oder mit Brot, auf Partys, im Supermarkt, zu Hause oder im Restaurant. „Oh, wie weit dieses bescheidene Gemüse gekommen ist“, kommentierte die „New York Times“ und erklärte den Grünkohl-Salat zum Mode-Gericht der Stunde“.

Langsam neigt sich ein schöner Tag seinem Ende entgegen. Auch unseren Freunden aus Hamburg, Thomas und Luisella, hat die Wanderung und natürlich das anschließende Essen sehr gefallen. Sie wollen auch im nächsten Jahr wieder dabei sein.

Lieber Bodo, lieber Udo, vielen Dank für die hervorragende Organisation. Seit fast 40 Jahren habt ihr beide die Sache perfekt im Griff.

Denkt bitte alle auch an das nächste kulinarische Großereignis. Da kommt was auf Euch zu!!! Es wird übernatürlich lecker. Am Freitag den 22. Mai findet um 19:00 Uhr in der Waldgaststätte in Unterstedt das 3. Traditionelle SPARGELESSEN statt.
Veranstaltungen
Seite ausdrucken
VfL-Rotenburg (Wümme) e.V.
Copyright © Norbert Neupert Alle Rechte vorbehalten.
aktualisiert am 07.04.2015