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Text: Hans-Joachim Neupert (Perry)
KOHLWANDERUNG 2018
Sonntag, 18. Februar 2018 - letzter Tag der 7. KW
Sonnenaufgang: 07:31 Uhr  - Sonnenuntergang: 17:41 Uhr
Temperatur um 09:00 Uhr - 0 Grad Celsius – im Tagesverlauf ansteigend auf 4 Grad Celsius – Strahlend blauer Himmel und Sonnenschein satt!
Was für ein Tag! Die Götter sind mit uns!

40. Kohlwanderung der Rotenburger Segelflieger.

Am Samstag den 2. Februar habe ich bereits die ersten Geschwader Wildgänse gen Osten fliegen sehen. Das war es dann mit dem Winter, habe ich so bei mir gedacht, aber dann wurde es doch noch einmal kalt und auch Schneefall kam auf! Aber so richtig winterlich wollte es bei uns im Norden nicht werden. Der Einfluss von TRUMP und PUTIN ist eben doch sehr groß. Die beiden Mächtigen haben den Winter in diesem Jahr großflächig und ausgiebig für sich beansprucht! Im Osten der USA und auch in Moskau hat es in diesem Winter tagelang geschneit. Die Kinder haben sich gefreut, denn es gab schulfrei! Hurra, Hurra!

Punkt 09:00 Uhr klopfen unsere Freunde aus Hamburg an unsere Haustür. Wir trinken noch schnell eine Tasse duftenden Kaffee, steigen in unsere Wanderstiefel und fahren einem neuen Abenteuer der kulinarischen Art entgegen. Überpünktlich erreichen wir den Treffpunkt am Rande von Unterstedt, dort gibt es reichlich Parkmöglichkeiten. Wie immer begrüßen wir die Kameraden und Freunde mit Handschlag, wie es sich gehört. Um Punkt 9:45 ertönt laut und unmissverständlich das Kommando: „Der Grünkohl ruft! Auf geht’s, Kameraden!“ Und unverzüglich setzt sich der Schwarm aus über 60 Wanderern in Bewegung. Schon bald überqueren wir die Bahnlinie Rotenburg - Verden, Kurs 270°. Wir sind keine 20 Minuten unterwegs, da ist auch schon der erste Halt. Die kleinen Gläser werden fix hervorgeholt und mit bunten Säften gefüllt. Schnell geht es wieder weiter, aber die kleinen Gläschen werden noch des Öfteren mit den verschiedensten Flüssigkeiten gefüllt, und ein wohliges Gefühl breitet sich im Körper und Geist aus.

Bald schon haben wir die ersten Häuser einer Ortschaft erreicht, aber noch nicht einmal die Hälfte des Weges geschafft. Bei der Ahauser Mühle verweilen wir einen Augenblick, genießen die Landschaft, die Gebäude und natürlich auch die „Kurzen“. Nach weiteren zehn Minuten Fußmarsches haben wir die Brücke im Nordwesten des „Zauberwaldes“ erreicht. Einer alten Legende zufolge lebten in uralten Zeiten in diesem Wald sogar „Elfen“. Das sind kleine, circa 20 cm große, magische Wesen mit libellenartigen Flügeln. Heute lebt das kleine Volk nur noch auf der zerklüfteten Vulkaninsel Island und im Erdinneren, in Teilen der Hohlwelt. Das Bauministerium von Island geht übrigens sehr behutsam und vorsichtig vor, wenn eine neue Straße oder ein Haus in Planung ist, um keinesfalls die Elfen zu verärgern. Früher hat das Bauministerium sogar einen eigenen Volkskundler beschäftigt. Er sollte sich um versetzte Elfen-Häuser kümmern. Elfen, die ihres Wohnortes beraubt werden, können sich nämlich zu ungemütlichen Störenfrieden entwickeln: Planierraupen funktionieren auf einmal nicht mehr, oder es kommt zu häufigen Unfällen auf der Baustelle.

Bald aber sehen wir vor uns auch schon ein bekanntes Fahrzeug, angefüllt mit Leckereien und heißen Getränken, die „Station“. Sogleich greife ich mir, wie viele Fliegerkameraden, einen Becher und fülle ihn mit würzigem Glühwein, denn aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre wissen ja die Teilnehmer dieser Expedition, Anjas Glühwein ist einfach spitze. Ich bin noch mit ein paar Mettenden beschäftigt, fahre aber zwischendurch ruhig auch mal einen schwarzen Negerkuss ein (eine echt geniale Mischung). Zwischendurch fülle ich meinen Becher noch einmal mit duftendem Glühwein, den auch schon die alten Griechen kannten. Nach annähernd 30 Minuten Pause rufe ich dann mit lauter Stimme: “Der Grünkohl wartet, wir ziehen weiter“! Willig setzt sich die Meute wieder in Bewegung. Mit schnellen Schritten geht es voran.

Der Winter wollte in diesem Jahr, ähnlich wie Anfang 1964, gar nicht so richtig in Schwung kommen und so haben wir eben damals wie heute, statt uns im Schnee zu wälzen, viel gelesen. Im Februar 1964 gab es dann doch noch einmal einen Wintereinbruch. Am dritten Februarwochenende fiel das Thermometer in der Nacht auf –15 Grad Celsius. Am Samstagnachmittag sind mein Bruder und ich dann zusammen mit unserem Vater zum Eislaufen gegangen. Hinter der Eisenbahn auf den überschwemmten Wiesen, die damals eine herrliche Eisfläche boten, war das relativ ungefährlich und wir hatten einen riesigen Spaß. Aber der Kälteeinbruch im Februar war nur von kurzer Dauer.

In jenen Tagen vor über 50 Jahren gab es auch noch eine ganz besondere Blumenart, die Eisblumen. Heute so gut wie ausgestorben, zumindest in Deutschland. Auf Wärmedämmung hat in den 50er und 60er Jahren noch kein Bauherr so richtig Wert gelegt. Die Bauweise war oft in einschaligem Mauerwerk gehalten und die Fensterscheiben waren sehr dünn. Eine wärmedämmende Wirkung der Fenster war so gut wie nicht vorhanden und sobald die Außentemperatur unter 0° Grad Celsius absank, kristallisierte sich das Wasser an den Staubteilchen auf dem Glas und es entstanden Eisblumen auf den Glasscheiben. Die wärmere Raumluft strömt der Fensterscheibe entgegen und kühlt dabei ab. Mit der Temperatur sinkt auch die Fähigkeit der Luft Feuchtigkeit aufzunehmen. Der Wasserdampf, den die Luft nicht mehr aufnehmen kann, gefriert an der Scheibe und bildet dann Eiskristalle. Mit der Menge der Feuchtigkeit wächst die kalte Blume und bedeckt nicht selten die ganze Scheibe. Durch Mehrfachverglasung und Wärmedämmfenster sind Eisblumen an heimischen Fenstern heute ein sehr seltenes Phänomen.

Es dauert gar nicht lange, da erreichen wir die alte Schleuse und kommen trockenen Fußes über die Wümme, aber dann sehen wir, dass der Weg noch großflächig überschwemmt ist. Wir müssen zwangsläufig einige hundert Meter am Wümmedamm entlang und dann durch das von “Grauen Wölfen“ regierte, unzugängliche und sumpfige Gebiet wandern. Wir haben Glück, dass der Boden gefroren ist. Kaum einer bekommt nasse Füße. Auf der nördlichen Wümmeseite bereitet der Wanderweg keine ernsthaften Probleme.



Der Grünkohl ist fast erreicht, das Gasthaus Fährhof in Sicht. Plötzlich habe ich das Gefühl, den geliebten Kohl, das wertvolle Wintergemüse mit seinen vielen Vitaminen bereits riechen zu können. Grünkohl (bot. Brassica oleracea) war bereits in der Antike bekannt und wird liebevoll auch als „Oldenburger Palme“ bezeichnet. In anderen Regionen heißt er schlicht und einfach Braun-, Pflück-, Kraus-, oder Winterkohl. Es gibt sogar roten Grünkohl, das bringt dann Farbe auf den Teller, schmeckt aber genauso wie der grüne. “Red Boor“ (Roter Bauer) heißt die Sorte, eine Kreuzung von normalem Grünkohl und Futterkohl. Die um Bremen herum übliche Bezeichnung „Braunkohl“ ist auf früher angebaute Sorten zurückzuführen, die sich während des Kochens bräunlich verfärbten. Grünkohl hat einen süßlich-herben Geschmack, der sich noch verstärkt, wenn die Pflanze etwas Frost abbekommen hat. Diese Geschmacksverfeinerung entsteht dadurch, dass im Kohl enthaltene Stärke in Zucker umgewandelt wird. Grünkohl ist zwar der Hauptdarsteller auf dem Teller, doch dazu gehört als Wurst unbedingt die sogenannte „Pinkel“. Hinter dieser im Zusammenhang mit gutem Essen etwas befremdlich klingenden Bezeichnung verbirgt sich eine Wurst, welche aus Fett, Gewürzen und Grütze (gebrochene Getreidekörner) besteht. Das genaue Rezept allerdings bleibt immer ein großes Geheimnis, das jeder Fleischer wie seinen Augapfel hütet.

Der Klassiker der kalten Jahreszeit, das leckere Kohlgemüse, kommt weltweit immer mehr in Mode. „Kale“, wie der Grünkohl in den USA genannt wird, ist dort ein absolutes „In-Gemüse“. Ob als Chips oder als Smoothie, Grünkohl wird in Nordamerika mittlerweile in großen Mengen verzehrt. Der Grund für die neue Beliebtheit sind die wertvollen Inhaltsstoffe. Pro-Vitamin A und Vitamin C, Kalium, Kalzium, Phosphor, Magnesium und Eisen machen den Verzehr von Grünkohl nicht nur zu einem geschmacklichen Erlebnis, sondern auch zu einer Investition in die eigene Gesundheit. Roher Grünkohl enthält bei gleicher Menge doppelt so viel Vitamin C wie eine rohe geschälte Zitrone. Leider ist das Vitamin C auch die Mimose unter den Vitaminen. Warme Lagerung und langes Garen lassen die Gehalte drastisch purzeln. Ein weiteres Plus ist der hohe Ballaststoffanteil. Er bringt die Verdauung in Schwung. Neuere Forschungsergebnisse lassen immer deutlicher werden, dass eine ganze Reihe von sekundären Pflanzenstoffen im Grünkohl gesundheitsfördernde Effekte hervorrufen und sogar zur Verminderung des Krebsrisikos beitragen. Damit allerdings möglichst wenig von den Inhaltsstoffen beim Garen verloren geht, sollte man den Grünkohl am besten nur dämpfen oder dünsten. Auf jeden Fall sollte er noch „Biss“ haben. Unter diesen Bedingungen darf es dann auch mal ruhig zwei oder dreimal Nachschlag geben.

Kaum haben wir an den langen Tischen Platz genommen, da nehmen die netten Kellnerinnen auch schon unsere Getränkewünsche entgegen. Nany und Perry bestellen natürlich, wie es sich zum leckeren Grünkohlgericht gehört ein helles Pils, ein “Großes“ natürlich. Es dauert nicht mehr lange, dann werden auch schon die Platten mit Grünkohl, Fleisch, Wurst und Kartoffeln serviert. So ein Grünkohlessen ist einfach ein göttlicher Genuss. Wir sind fast fertig mit dem Essen, gesättigt bis zum „geht-nicht-mehr“, da betreten die schon lange vermissten „Airliner“ den Gasthof. Alle machen einen zufriedenen Eindruck, obwohl sie sich doch gewaltig „verfranzt“ haben; völlig vom Kurs abgekommen. Angeblich sollen sie sogar den “Sottrumer Bahnhof“ besichtigt haben und ein alter Mann, der aussah wie „Merlin der Zauberer“ soll ihnen einen geheimnisvollen Zaubertrank verabreicht haben.

Das Essen ist jedenfalls hervorragend gewesen und hat allen Teilnehmern dieser Wanderung köstlich geschmeckt. Besonders die Pinkelwurst ist immer wieder ein Hochgenuss. Allerdings haben einige Kohlfeinschmecker die Bratkartoffeln vermisst und der Vitamingehalt im Grünkohlbrei war eher gegen „Null“. 61 Portionen Grünkohl wurden verzehrt, nicht jeder mag das norddeutsche Wintergericht. Fünfmal wurde Schnitzel geordert, zweimal vegetarisch und dreimal Kinderteller. Die Geschmäcker sind eben verschieden und ich frage mich nur : Was hat „Benny“ der einzige Vierbeiner der Exkursion zu Essen bekommen?. Die Stimmung war gut und wurde mit jedem Bier besser. Man schnackte hier, man schnackte da und merkte gar nicht wie die Zeit verging. So gegen 15:30 Uhr fuhren die meisten nach Hause oder wurden abgeholt. Auch Thomas und Luisella aus der Hansestadt Hamburg wollen im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder dabei sein.

Lieber Udo, vielen Dank für die hervorragende Organisation. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, dich bei der Planung unterstützen zu dürfen.

Denkt bitte alle auch an das nächste kulinarische Großereignis. Es wird übernatürlich lecker. Am Freitag den 18. Mai findet um 19:00 Uhr im Restaurant Waldhof in Unterstedt das 6. Traditionelle SPARGELESSEN statt.



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VfL-Rotenburg (Wümme) e.V.
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aktualisiert am 23.02.2018