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Text: Hans-Joachim Neupert (Perry)
KOHLWANDERUNG 2020
Sonntag, 02. Februar 2020 - letzter Tag der 5. KW
Am 2. Februar, an „Mariä Lichtmess“ endet die Weihnachtszeit und die Tage werden wieder deutlich länger. Für die Kirche ist dieser Tag schon immer von großer Bedeutung gewesen und in alten Zeiten hörten die Handwerker auf, bei Kunstlicht zu arbeiten und zur Feier des Tages gaben die Meister ihren Gesellen und Lehrlingen den Nachmittag frei.
In den USA ist der 2. Februar der „Murmeltiertag“!
Den Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“, mit Bill Murray in einer Zeitschleife, kennt ihr sicherlich alle auswendig!?! Schon jetzt ein moderner Klassiker, den man immer wieder gerne anschaut!
Sonnenaufgang: 08:03 Uhr MEZ - Sonnenuntergang: 17:09 Uhr MEZ
Temperatur um 09:00 Uhr - 9 Grad Celsius – im Tagesverlauf gleichbleibend – bewölkt, leichter Sprühregen - Irgendwie „winterlich“ norddeutsch!

Napoleon hat es schon vor 200 Jahren in unserem Lande nicht gefallen. Er, der große Feldherr, hätte Norddeutschland nicht zur Besiedelung freigegeben!
…aktuelle news: ... am Montag den 20. Januar berichtete der NDR 1 von der Ankunft der Störche in Norddeutschland! „2 Monate früher als gewöhnlich“!!!
… am Dienstag den 21. Januar sah ich am Himmel das erste Zugvogelgeschwader in V- Formation…Kurs 090!!!
… im New Yorker Central Park finden neuerdings auch Kohltouren statt! …zünftig mit Bollerwagen, Bier, Schluck und anschließendem Grünkohlessen!!! …

42. Kohlwanderung der Rotenburger Segelflieger

Der Winter hat in diesem Jahr nicht zu uns nach Norddeutschland gefunden. Dafür erleben wir gefühlt sechs Monate Dauerherbst! Kein Frost, kein Eis, kein Schnee. Die Kufen meiner Schlittschuhe setzen von Jahr zu Jahr immer mehr Rost an. Irgendwie vermisse ich doch so langsam das weiße Winterkleid in den dunklen Monaten. Aber keine Angst, der Winter macht nur mal eine Pause. Auch zukünftig müssen wir mit Schneekatastrophen und Fahrverbote rechnen. Nun aber naht der Frühling und am 21. März beginnt die Flugsaison. Ich bin mir sicher, der Sommer wird fantastisch. Jetzt aber geht es erst einmal dem Grünkohl entgegen.

Überpünktlich um 09:20 Uhr erreichen wir den Treffpunkt in Scheeßel an der Kreuzung zwischen der Hetzweger Straße und In‘n Dörp (53° 10‘ 20.84‘‘ N 9° 28‘ 18.38‘‘ O). Genauer kann man den Startpunkt nun wirklich nicht angeben! Und doch finden einige Kameraden erst beim zweiten Versuch zum Ziel. Nach einer herzlichen Begrüßung und der Überprüfung der Teilnehmerliste ertönt auch schon laut und unmissverständlich das Kommando: „Der Grünkohl ruft ! Auf geht’s, Kameraden!“ Unverzüglich setzt sich der Schwarm, bestehend aus 45 Wanderern und einem Vierbeiner in Bewegung. Zunächst Kurs 270°, nach 200 Metern schwenken wir auf 180 Grad um. Einige Wanderer sind plötzlich ganz verstört. Dachten sie vielleicht doch, es geht nach Lauenbrück!!! Nachdem wir die Wümme überquert haben, bewegen wir uns nun doch gen Osten, Kurs 090, immer geradeaus.
 
Wir sind keine 15 Minuten unterwegs, da ruft Udo auch schon zum ersten Sammeln. Kleine Gläser werden fix hervorgeholt und mit bunten Säften gefüllt. Schnell geht es wieder weiter, aber die kleinen Gefäße werden noch des Öfteren mit den verschiedensten Flüssigkeiten gefüllt, und bald breitet sich ein wohliges Gefühl im Körper und Geist aus. Schnellen Schrittes geht es auf schmalem Pfad voran, immer in Sichtweite der Wümme, die sich etwa 10 Meter links unter uns entlang mäandert und schon leicht die Wiesen benässt. Plötzlich erreicht uns ein Anruf. Eike mit Frau und Hund möchte doch auch dabei sein. An der Straße, die von Scheeßel nach Sittensen führt, warten wir auf die drei, nutzen die Pause und füllen die kleinen Gläschen noch einmal mit wohlschmeckenden Flüssigkeiten.
 
Immer wieder muss ich Fragen über die Geschichte der Fliegerei beantworten. Die jungen Piloten, besonders auch Lea, möchten doch so einiges aus den Anfängen der lautlosen Fliegerei erfahren. Gerne tue ich ihnen den Gefallen. Das Jahr 2020 ist ja für die Segelflieger ein Jubiläumsjahr, denn genau vor 100 Jahren begann das „Zeitalter“ der Segelfliegerei! Halt, Stopp! Das stimmt doch so nicht, wird jetzt ein belesener Flieger seine Einwände geltend machen; und er hat nicht einmal Unrecht. Dem Vorbilde Otto Lilienthals folgend konstruierten bereits ab 1911 fünf junge Studenten brauchbare Maschinen und entdeckten auch bereits die Wasserkuppe als geeignetes Fluggelände. Noch im gleichen Jahr wurde der erste Flugrekord mit einer Strecke von 838 m und 1,52 Minuten Dauer aufgestellt. Leider unterbrach der 1.Weltkrieg diese erfolgversprechenden Anfänge.

Nach dem verlorenen Krieg hatten die Siegermächte mit dem Diktat von Versailles dem deutschen Volke drückende Tribute auferlegt und Deutschland auf allen Gebieten in harte Fesseln gelegt. Auch das Fliegen mit Motorflugzeugen musste vertraglich völlig eingestellt, die Flugzeuge, das Ersatzmaterial und die Herstellungsmaschinen restlos verschrottet werden. In jenen Tagen gab es einen Mann, der sich aus tiefster Verzweiflung heraus zu neuer Tatkraft emporrang: OSKAR URSINUS ! Er prägte das Wort: „Wenn wir nicht mit Motor fliegen dürfen, dann fliegen wir eben ohne Motor!“

Zu der Zeit, als die Sägen, Schneidbrenner und Vorschlaghämmer ihr Vernichtungswerk an 4000 deutschen Flugzeugen vollführten, wanderte Oskar Ursinus, ein Ingenieur aus Frankfurt am Main durch die Natur und beobachtete am Westhang der Wasserkuppe den Aufwind, der sich am Steilhang staute und daran emporglitt, und Blätter und Schmetterlinge mit sich nahm. Im Bewusstsein des einsamen Wanderers formte sich nun der Gedanke diesen Aufwind für motorlose Segelflugzeuge auszunutzen. Die göttliche Eingebung gestaltete sich zur Tat. Im Jahre1920 rief Oskar Ursinus zum ersten Gleit- und Segelflug-Wettbewerb in der Rhön auf und wurde feierlich zum „Rhönvater“ ernannt. Er sollte fortan die treibende Kraft und der gute Geist des Segelflugwesens auf der Wasserkuppe werden.

Bereits 1922 beim 3.Wettbewerb wurden erste Stundenrekorde erreicht. Nur wenige Tage später verbesserte ein Pilot die Leistung auf drei Stunden und zugleich den Höhenrekord auf 350 Meter. Von größter Bedeutung für die Weiterentwicklung des Segelflugwesens wurde das Jahr 1928. Ein neuer Stern erster Ordnung tauchte auf der Wasserkuppe auf: der Wiener Robert Kronfeld. Er verbesserte den Höhenrekord zunächst auf 775 Meter. Im darauf folgenden Jahr gelang ihm ein Streckenflug von 100 Kilometer, gleichzeitig erprobte er seine Theorie des Gewitterflugs. Am 30. Juli 1929 stieg er, den Auftrieb innerhalb einer Wolke ausnutzend, auf 3500 m Höhe und segelte 150 Km weit. Robert Kronfeld hatte den Wolkenflug entdeckt. Auch Wolf Hirth zog die Blicke der Sportwelt auf sich. Er war viel unterwegs und führte unter anderem auch den Amerikanern und Japanern den Segelflug vor. In den frühen 30er Jahren wurde dann der Weltrekord im Dauerflug mit Segelflugzeugen durch Kurt Schmidt, den Führer der Studentenfliegergruppe Königsberg, von 14 auf 36,5 Stunden!!! verbessert. Danach wurden Dauerrekordflüge mit Segelflugzeugen eingestellt.

 
Bald schon erblicken wir am Horizont inmitten der „Vareler Heide“ ein silbernes Fahrzeug. Nur Udo und Perry wissen in diesem Moment, dass dort Magali mit kleinen Leckereien auf uns wartet. Noch ein paar Gehminuten und wir erreichen das Fahrzeug. Nach einer herzlichen Begrüßung und Worte des Dankes greife ich mir, wie viele Fliegerkameraden, einen Becher und fülle ihn mit würzigem Glühwein, denn aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre wissen ja die Teilnehmer dieser Expedition, Glühwein gehört bei einer Kohltour unverzichtbar dazu. Ich bin noch mit ein paar Mettenden beschäftigt, fahre aber zwischendurch ruhig auch mal einen schwarzen Negerkuss ein (eine echt geniale Mischung). Zwischendurch fülle ich meinen Becher noch einmal mit duftendem Glühwein. Nach annähernd 30 Minuten Pause geht es mit schnellen Schritten wieder voran, dem Ziel entgegen, das da heißt“: Grünkohl mit Pinkel“

Winterzeit ist leider auch Erkältungszeit. Im Normalfall sorgt das Immunsystem dafür, dass Viren und Bakterien gar nicht erst in den Körper eindringen und sich dort einnisten können. Doch unsere Abwehrkräfte geraten durch Kälte, trockene Heizungsluft und Stress schnell mal aus dem Gleichgewicht. Die Folge: Wir werden krank. Damit die körpereigene Schutzpolizei zuverlässig ihren Dienst verrichten kann, bedarf es einer ausreichenden Versorgung des Organismus mit verschiedenen Vitaminen und anderen Nährstoffen. Um Engpässe zu vermeiden empfehlen Mediziner deshalb für die Ernährung viel Obst und Gemüse. Grünkohl ( bot. Brassica oleracea) ist das Winterwundergemüse und eine wahre Nährstoffbombe. Es versorgt den Organismus mit einer großen Portion Vitamin C und Kalzium sowie sekundären Pflanzenstoffen.
 
Der hohe Vitamingehalt geht leider durch die traditionelle Zubereitungsart, ein stundenlanges Schmoren, verloren. Dadurch verdunkelt sich seine leuchtend grüne Farbe und die Bremer sprechen dann von „Braunen Kohl“. Grünkohl mit Pinkel, mit oder ohne Vitamine, ist und bleibt das typisch norddeutsche Winteressen, zubereitet mit Speck, Kochwurst, Kassler und Pinkel. Hinter dieser etwas befremdlich klingenden Bezeichnung verbirgt sich eine Wust, welche aus Fett, Gewürzen und Grütze (gebrochene Getreidekörner) besteht, und auch heute noch althergebracht gefüllt in ein spezielles Darmstück, genannt „Pinkel“.
 
Noch gute fünf Kilometer fehlen bis zum Ziel. Kilometer um Kilometer wandern wir nun parallel entlang der „Napoleonischen Straße“, die heute B 75 heißt, durch eine urwüchsige Landschaft, die hier wohl kaum einer erwartet hätte.

Der Grünkohl ist fast erreicht, das Gasthaus, der „Lauenbrücker Hof“ im Zentrum des Ortes gelegen, in Sicht. Was für eine Überraschung. Ich bin sicher, damit hat wohl keiner gerechnet!!! Oder etwa doch? Plötzlich habe ich das Gefühl, den geliebten Kohl, das wertvolle Wintergemüse mit seinen vielen Vitaminen bereits riechen zu können. Kaum haben wir an den langen Tischen Platz genommen, da nehmen die netten Kellnerinnen auch schon unsere Getränkewünsche entgegen. Nany und Perry bestellen natürlich, wie es sich zum leckeren Grünkohlgericht gehört ein helles Pils, ein “Großes“ natürlich.
 
Das Buffet mit Grünkohl, Fleisch, Wurst und Kartoffeln, Suppe, Schnitzel, Gemüse und Nachtisch mit Kuchen, verschiedenen Eissorten usw. usw. erstreckt sich über den halben Tanzsaal. Einfach phantastisch! So ein Grünkohlessen ist ein göttlicher Genuss und von langen Schlangen an der Essenausgabe ist nichts zu spüren. Keiner muss lange anstehen. Alles ist sehr gut organisiert!!! Das Essen ist jedenfalls hervorragend. Alle Teilnehmer dieser Wanderung sind begeistert. Besonders die Pinkelwurst ist immer wieder ein Hochgenuss; und die Schnitzel und das Eis und so weiter und so weiter…Der Gasthof ist sehr zu empfehlen. Die Geschmäcker sind verschieden und hier ist wirklich für jeden eine Leckerei dabei. Auch Benni, der Vierbeiner, darf mitessen und bekommt Kassler mit Kartoffeln serviert. Da jubiliert die Hundeseele! Aber ich sehe den Hund von Eike nirgendwo! Ich bin mir sicher, auch er hat sein „Fresschen“ bekommen!!!

Die Stimmung ist gut und wird mit jedem Bier besser. Man schnackt hier, man schnackt da und merkt gar nicht wie die Zeit vergeht. So gegen 15:00 Uhr fahren die meisten nach Hause oder werden abgeholt.
 
Der Winter 2020 ist so gut wie abgehakt! Der Frühling steht vor der Tür!

Wir waren 45 Läufer, 2 Vierbeiner und 18 Nichtläufer! Ein Gesamtergebnis wie zuletzt 2006!

Lieber Udo, vielen Dank für die hervorragende Organisation. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, dich bei der Planung unterstützen zu dürfen.

Denkt bitte alle auch an das nächste kulinarische Großereignis. Es wird übernatürlich lecker. Am Freitag den 15. Mai findet um 19:00 Uhr im Restaurant Waldhof in Unterstedt das 8. Traditionelle SPARGELESSEN statt.


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VfL-Rotenburg (Wümme) e.V.
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aktualisiert am 04.02.2020