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Mittwoch, 3. Februar 2016

Rotenburger Kreiszeitung

Forschungsstützpunkt Rotenburg

Flughafen wird erster norddeutscher Standort für Drohnen-Technik

Künftig werden zu Testzwecken ein paar mehr Drohnen über Rotenburg im Einsatz sein.
Foto: imago
Von Michael Krüger

Rotenburg • Der Rotenburger Flughafen wird zum ersten norddeutschen Forschungsstützpunkt für die unbemannte Luftfahrt. Das teilte gestern der Bundesverband für unbemannte Systeme (BUVUS) mit. Was sich zunächst sperrig anhört, ist einfach zu umschreiben: In der Kreisstadt werden Wissenschaft und Industrie künftig Drohnen testen. Die Idee dafür kommt aus der Bundeswehr.


Jan Hesselbarth ist stellvertretender Bundesvorsitzender des BUVUS und arbeitet als Planungs- und Fliegerleitoffizier in der Rotenburger Lent-Kaserne. Als er mit dem Jägerbataillon 91 von Seedorf kommend in Rotenburg einzog, fiel ihm das Flugplatz-Gelände für seinen Verband direkt ins Auge. „Unbemannte Technologie muss gestärkt werden und bedarf einer konsequenten, überregionalen Forschung“, sagt er zu den Plänen in Rotenburg. Diese Stärkung dürfte nicht gänzlich uneigennützig sein: Hesselbarth ist auch Geschäftsführer der Unternehmensberatung „Caballero & Hesselbarth Consulting“ für die unbemannte Luftfahrt. Wert legt der Verband jedoch darauf, dass das Rotenburger Projekt keins der Bundeswehr ist. Militärische Forschungsflüge werde es über Rotenburg nicht geben.

Und was genau geschieht nun in Rotenburg? „BUVUS richtet gemeinsam mit der Flugplatz Rotenburg Wümme GmbH einen Forschungsstützpunkt ein. Auf dem Verkehrslandeplatz zwischen Hamburg und Bremen wird erstmalig in der Region ein Stützpunkt gegründet, der der Weiterentwicklung des Drohnen-Einsatzes für gewerbliche und zivile Zwecke dienen soll“, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

Verbandssprecher Matthias Still wird konkreter. Neben einem weiteren Forschungsstützpunkt in Fürstenwalde bei Berlin, wo es vor allem um die Luftvermessung von Waldflächen geht, soll in Rotenburg ab April, wenn alle Verträge unterschrieben sind, auf allen Gebieten des Drohnen-Einsatzes geforscht werden. Und der sei schon heute, wo die Technik noch am Anfang stehe, enorm. Vier zentrale Einsatzgebiete gibt es laut Still: in der Landwirtschaft, um zum Beispiel Schädlingsbefall aus der Luft zu erkennen, im Energiebereich zum Beispiel bei der Untersuchung von Offshore-Anlagen, für Film- und Videoaufnahmen zum Beispiel bei Sportveranstaltungen und im Sicherheitsbereich. Dabei gehe es nicht nur um die militärische Nutzung, sondern zum Beispiel ebenfalls um Sicherheitskonzepte in Stadien. „Wir werden hier regelmäßig ausprobieren und testen“, sagt Still.


Wissenschaftlicher Partner des Verbandes ist das Institut für unbemannte Systeme der privaten Hochschule Northern Business School mit Sitz in Hamburg. Dort habe man schon lange nach einer solchen Möglichkeit gesucht, die Drohnen im Einsatz zu testen. Die Vorschriften für den Einsatz der Flugobjekte in einer Großstadt seien ungleich höher. Still: „Dort muss jeder Einsatz genehmigt werden, außer in der Spielzeug-Klasse.“

Rotenburgs Bürgermeister Andreas Weber (SPD) hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. „Für uns alle wird dieser Forschungsstützpunkt eine gute Möglichkeit werden, an einem Entwicklungsprozess zu partizipieren und die Technologie transparent zu erforschen“, sagt Weber. Insbesondere für den Einsatz klein-dimensionierter Multicopter biete der Rotenburger Flugplatz beste Voraussetzungen. Wie Werner Meyer, einer der beiden Geschäftsführer des Flugplatzes, versichert Weber, dass es für die Anwohner keine weiteren Belästigungen durch die Tests mit den überwiegend leichtgewichtigen Drohnen geben wird: „Sie fliegen ja praktisch lautlos.“ Und für den normalen Flugbetrieb ändere sich durch den neuen Testbetrieb auf dem Gelände auch nichts.

 

Unbemannte Fluggeräte

Als Drohnen werden unbemannte Fluggeräte bezeichnet. Zunehmend sind sie im zivilen Einsatz - ob als Spielzeug oder als Hilfsmittel. Vielerorts etwa begutachten bereits bereits Bauern damit die Ernte auf ihren Feldern. Nachrichtensender machen TV-Bilder. Immobilienmakler nutzen Drohnen, um Luftaufnahmen von ihren Grundstücken zu machen. Gutachter, um Schäden auf hohen Gebäuden zu inspizieren. Auch Sicherheitsbehörden und Katastrophenhelfer setzen sie ein. Militärs nutzen Drohnen bereits seit Jahren zur Aufklärung oder als Waffenträger.

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VfL-Rotenburg (Wümme) e.V.
aktualisiert am 14.02.2016