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Samstag, 9. September 2017

Rotenburger Kreiszeitung

Erster Schritt ins Weltall

Julie Strege aus Rotenburg absolvierte ihren ersten Alleinflug

Julie Strege aus Rotenburg hat es geschafft. Sie hält den "Blumenstrauß" mit Gewächsen des Flugplatzes an der Zevener Straße in der Hand.
• Foto: go
ROTENBURG (GO) > Autofahren darf ein junger Mensch frühestens mit 17 Jahren, ein Flugzeug lenken aber bereits ab dem 14. Lebensjahr. Dank dieser Regelung ist für Julie Strege, einer 16-jährigen Rotenburger Flugschülerin, am vergangenen Wochenende ein Traum in Erfüllung gegangen.

Nach rund 60 Trainingsflügen mit verschiedenen Fluglehrern, nach Seilrissübungen und Einweisungen in ungewöhnliche Flugsituationen war für die junge Pilotin der große Tag gekommen. Nach drei Überprüfungsflügen, waren sich auch die beiden Fluglehrer Rüdiger Werner und Michael Köhler einig: „Julie kann es", und sie gaben ihr grünes Licht für den ersten Alleinflug. Die meteorologischen Voraussetzungen waren nicht gerade optimal. Es wehte ein starker Seitenwind aus nördlicher Richtung, aber es gab auch viel Sonnenschein.

Selbstbewusst legte die junge Pilotin ihren Fallschirm an, als Werner und Köhler sich noch einmal zu einem kurzen Briefing am Startwagen einfanden. Anschließend begab sich einer der Fluglehrer schnurstracks zum Schulflugzeug, befestigte das Gurtzeug des hinteren Sitzes und sagte laut und deutlich: „Jetzt fliegst du alleine!"

Dem jungen Mädchen stand die Anspannung deutlich im Gesicht geschrieben, als die Haube verriegelt und das Seil eingeklinkt wurde. Über Funk kamen ihre Kommandos „ASK 21 abflugbereit" und dann „Seil anziehen". Der starke Windenmotor beschleunigte das Segelflugzeug innerhalb von wenigen Sekunden aus dem Stand auf 100 Stundenkilometern. Schulbuchmäßig leitete die junge Fliegerin den Steigflug ein und hatte bald die Sicherheitshöhe von 100 Metern erreicht. Jetzt durfte sie den Steuerknüppel voll ziehen, vergrößerte dadurch den Steigwinkel und hatte auch bald eine Ausklinkhöhe von 500 Metern erreicht. Die beiden verantwortlichen Fluglehrer Werner und Köhler atmeten hörbar erleichtert auf.
Julie flog noch ein paar Vollkreise und alle Anwesenden sahen gebannt nach oben. Dann ging die junge Pilotin vorschriftsmäßig zum Landeanflug über und setzte ihr Flugzeug butterweich am Landekreuz auf. „Toll gemacht", hörte man einige alte Flieger sagen, die den Alleinflug vom Boden aus beobachtet hatten. Das war aber noch nicht das Ende der Prüfung. Das junge Mädchen musste erst noch zwei weitere Starts und Landungen erfolgreich ausführen. Erst nach dem dritten Alleinflug werden die Glückwünsche traditionsgemäß überbracht.

Mit der Unbekümmertheit der Jugend flog Julie zwei weitere Platzrunden. Keine Spur von Stress war ihr anzumerken, und die letzten Landungen waren noch perfekter als die bereits gut gelungene erste. Langsamen Schrittes begaben sich nun alle auf dem Fliegerhorst anwesenden Personen, Piloten und Angehörige zur Landestelle.

Zuerst gratulierten die Fluglehrer und überreichten dabei einen Blumenstrauß mit den Gewächsen des Flugplatzes. Da waren natürlich auch ein paar Disteln oder Brennnesseln mit dabei. Nach alter Tradition musste sich die Flugschülerin nun bücken und empfing von jedem Gratulanten einen mehr oder minder kräftigen Klaps auf ihr Hinterteil. Damit war Julie eine richtige Pilotin und das große Abenteuer Fliegen kann für sie weitergehen.

In ein paar Jahren wünscht sich Julie eine berufliche Karriere als Astronautin. Sie möchte aber vorher noch ein Medizinstudium absolvieren, erklärt sie nach der Zeremonie. Mögen alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen, wünschten die Gratulanten.

Mehr rund um das Segelfliegen in Rotenburg finden Interessierte auf der Internetseite des Vereins für Luftsport Rotenburg. www.vfl-rotenburg.de. <

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aktualisiert am 06.10.2017