Presseberichte
Seite ausdrucken

Samstag, 24. März 2018

Rotenburger Kreiszeitung

Jetzt haben die Stadtwerke den Flugplatz allein in der Hand

Städtische Tochter übernimmt die Anteile der bisherigen Betreiber-Partner

Der Flugbetrieb soll Vorrang vor Veranstaltungen haben, sagt SR-Geschäftsführer Reinhard David. Aber das schließt das andere nicht aus - wie hier während des Ferdinands Feld Festivals auf dem Rotenburger Flugplatz.  Archivfoto: Menker
Von Guido Menker

ROTENBURG • Zunächst zieren sich Bürgermeister Andreas Weber (SPD) und der Geschäftsführer der Stadtwerke Rotenburg (SR) ein wenig. Doch es hatte sich bereits bis in die Redaktion herumgesprochen: Die SR sind nicht nur Besitzer des Rotenburger Flugplatzes, sondern nun auch alleiniger Betreiber. „Die Verträge sind gemacht", bestätigt Reinhard David schließlich. Im Klartext: Die Stadtwerke haben die Anteile der bisherigen Partner übernommen. Die 30 Prozent von Werner Meyer und auch die 30 Prozent des Mitte September vergangenen Jahres bei einem Flugzeugabsturz in den Schweizer Alpen ums Leben gekommenen Peter Drewes. Eine Einschränkung macht David allerdings: „Der Aufsichtsrat muss noch zustimmen."

Die Stadtwerke Rotenburg haben den Flugplatz jetzt also allein in der Hand - auch wenn Werner Meyer zunächst als Geschäftsführer weiter im Amt bleibt. Man baut auf seine Erfahrung. Die dauerhafte Beibehaltung des Verkehrslandeplatzes und die Sicherung des Flugbetriebes auch während der Woche - das sind die ersten beiden Punkte in einem Papier mit der Überschrift „SR-Leitlinien bzw. -Ziele für den Verkehrslandeplatz Rotenburg“, das David in einem Gespräch mit der Kreiszeitung auf den Tisch legt.

Dass ausgerechnet diese beiden Punkte ganz oben auf eben dieser Liste stehen, erklärt sich vielleicht auch mit der Petition, die Bürgermeister Andreas Weber in dieser Woche erreicht hat. Danach sei man, so Weber, positiv auseinandergegangen.

Unter der Überschrift „Den Flugplatz erhalten!“ hat sich die „Arbeitsgruppe für den zukunftsfähigen Erhalt des Flugplatzes“ deutlich zu Wort gemeldet. Seit einiger Zeit werde immer sichtbarer, dass sich die Infrastruktur des Flugplatzes laufend weiter verschlechtere und der Flugbetrieb stetig weiter eingeschränkt werde. „Seit kurzer Zeit ist ein Flugbetrieb innerhalb der Woche kaum noch möglich. Diese Einschränkung macht keinen Sinn und ist nicht akzeptabel“, heißt es in dem Aufruf, mit dem die Arbeitsgruppe um Unterschriften für ihre Petition geworben hat. Die Situation treffe nicht nur die Piloten, sondern stelle den gesamten Flugplatz als Verkehrslandeplatz infrage. Ohne ausreichenden Flugbetrieb werde sich beispielsweise die Tankanlage nicht mehr lohnen, und angesichts der stark schrumpfenden Nutzungsmöglichkeiten würden Hallenpachten und -mieten, aber auch die Landegebührenpauschale völlig unattraktiv. Die jetzige Regelung sei nicht hinnehmbar. In der Arbeitsgruppe sind die Ultraleicht-Flieger, die Segel- und die Motorsegler sowie die gewerblichen Betriebe, Flugleiter und Piloten vertreten.
Den jetzt unterschriebenen Vertrag bezeichnet Andreas Weber als „Weichenstellung“, denn jetzt hätten die Stadtwerke deutlich mehr Möglichkeiten. Weber und David sprechen von Kontinuität und Sicherheit. Zudem wissen sie um die gewachsene Unzufriedenheit unter den Nutzem des Flugplatzes. Reinhard David greift noch einmal zu seinen Leitlinien und Zielen für den Platz in direkter Nachbarschaft zur Lent-Kaserne. Darauf ist von einer „nachhaltigen Modernisierung mit Augenmaß“ die Rede, von einer „Weiterentwicklung zum ,smarten’ Flugplatz“ durch eine Nutzung des Flugplatzes durch flugaffine Betriebe und mit dem Ziel der Ansiedlung von flugaffinen Betrieben zwischen den Luftfahrtzentren Hamburg und Bremen. Dabei, so David weiter, soll der Flugbetrieb grundsätzlich Vorrang vor Veranstaltungen auf dem Flugplatz haben. Besondere Events - wie zum Beispiel das Ferdinands Feld Festival - soll es aber auch weiterhin geben.
 
Aber da ist noch ein Punkt auf dieser Liste, der den Mitgliedern der Petitionsarbeitsgruppe voll ins Konzept passen sollte: Es geht um die Einrichtung eines Beirates mit den ortsansässigen Flugplatznutzem. Ziel: ein regelmäßiger Austausch. Die Nutzer hatten gefordert, dass bereits vorliegende Konzepte für die Zukunftsgestaltung des Flugplatzes „endlich ernsthaft diskutiert und umgesetzt“ werden. Die Petition sei ein erster Schritt, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Weber betont die Bedeutung des Flugplatzes. Er sei ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal für die gute Infrastruktur in Rotenburg. Das Gewerbegebiet gleich nebenan biete eine große Chance. Ziel sei es, dem Flugplatz weiter eine Perspektive zu geben. Aber: „Umfeldverträglich.“ Unnötige zusätzliche Belastungen sollten nicht herbeigeführt werden.
Reinhard David stößt ins gleiche Horn, sagt allerdings auch: „Wir werden jetzt nicht alles auf Links drehen.“ Und wenn von Modernisierungen die Rede ist, dann gehe es immer auch dämm, nach wirtschaftlichem Ermessen vorzugehen. Mit Augenmaß eben. Daher sei eine Verlängerung der Landebahn von jetzt 806 auf zwischendurch immer mal wieder geforderte 1200 Meter nicht geplant. „Das ist auch nicht erforderlich“, sagt David. Etwa für die Ansiedlung eines Luft-Taxi-Services würde die jetzige Landebahn ausreichen.

Reinard David

Andreas Weber

Eine Yak im Landeanflug in Rotenburg. Archivfoto: Menker

Presseberichte

Seite ausdrucken


VfL-Rotenburg (Wümme) e.V.
aktualisiert am 31.03.2018