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Donnerstag, 20. Februar 2020

Rotenburger Kreiszeitung

Zeit für Wartungsarbeiten

Für die Rotenburger Segelflieger gibt es keine Winterpause

Die Flugschülerin Lea Hens (14) steht vor dem Hanger und wird gleich kräftig bei den Arbeiten zupacken. • FOTOS: GOLDSTEIN

VON HEINZ GOLDSTEIN


Rotenburg -  Wer auf der Bundesstraße 71 von Rotenburg Richtung Zeven unterwegs ist, kommt in Höhe der Lent-Kaseme am Hangar des Vereins für Luftsport (VfL), an dem groß das Emblem des Aero Clubs des Landesverbandes Niedersachsen zu sehen ist, vorbei. Aber die sechs vereinseigenen Flugzeuge sind nicht zu sehen.

Besonders am Wochenende parken dort jedoch viele Autos. „Wieso denn das? Die Piloten können bei dem Wetter doch gar nicht fliegen!“ - ist es sicherlich so manchen Passanten durch den Kopf geschossen. Bleibt die Frage: Was machen die Leute da? Die Rotenburger Kreiszeitung ist der Sache auf den Grund gegangen.

Hans-Joachim Neupert (Fliegername Perry) ist Berufsschullehrer und übernimmt hin und wieder die Öffentlichkeitsarbeit im VFL. „Natürlich kann man auch im Winter fliegen. Allerdings sind die Tage sehr kurz, die Wolken hängen tief, oft regnet es. Wind und besonders die Kälte machen einen längeren Aufenthalt auf einem Flugplatz nicht gerade angenehm“, hat er eine erste Antwort auf die Frage „Was machen die Rotenburger Segelflieger eigentlich im Winter?“ parat.

Segelfliegen sei nun einmal eher ein Schönwetter-Sport. „Schließlich fliegen wir ja im Endeffekt mit Sonnenenergie, indem wir die thermischen Aufwinde nutzen.“ Geflogen wird an Wochenenden und Feiertagen zwischen März und Oktober sowie nach Absprachen auch in der Woche. Wer es sich leisten kann, begibt sich im Winter zum Segelfliegen nach Namibia oder Australien. Dort findet man besonders in den
Wintermonaten optimale Bedingungen für ausgedehnte Streckenflüge, so Neupert.

„Wir in Rotenburg nutzen die kalten und dunklen Monate zur Wartung und Pflege unserer Sportgeräte, Fahrzeuge und Gebäude und zur theoretischen Aus- und Weiterbildung“. An den Samstagen zwischen den Monaten November und März findet im Vereinsheim von 10 Uhr bis 13 Uhr ein theoretischer Unterricht zur Vorbereitung auf die Luftfahrerscheinprüfüng statt. Die Teilnahme sei freiwillig und kostenlos.

Freitags von 19 bis 21.30 Uhr sowie an Samstagen von 13 bis 18 Uhr haben die aktiven Piloten und besonders die Flugschüler die Möglichkeit, ihren Jahresbeitrag durch Arbeitsstunden zu minimieren. „Dadurch wird es besonders auch Schülern und Auszubildenden ermöglicht, kostengünstig ihren Sport auszuüben“, so der Pressesprecher.

Die jungen Leute werden bei den Wartungsarbeiten von ausgebildetem Fachpersonal angeleitet. Wer mit 14 Jahren mit der Segelfliegerei beginnt, kann nach drei Jahren nicht nur Flugzeuge fliegen und Auto fahren, sondern er habe quasi auch eine „kleine Ausbildung“ als Gärtner, Kfz-Mechaniker, Maler, Maurer, Tischler, Schweißer, Karosseriebauer oder Flugzeugmechaniker absolviert - und das Ganze ohne Stress und mit viel Spaß an der Arbeit“, erzählt Neupert.

„Wir nehmen bei den Wartungsarbeiten alle Einzelteile unserer Flugzeuge ganz genau unter die Lupe. Das gleiche trifft auf unsere Geräte und Fahrzeuge zu.“ Die Sachen werden auf Schäden und Verschleiß untersucht und Schäden beseitigt. Es gehe eben nicht nur um Schönheitsreparaturen wie die Ausbesserung von Lackschäden und das Reinigen sowie Polieren der Flugzeuge, sondern um die höchst mögliche Sicherheit für die Piloten und Flugschüler. Ein zugelassener Prüfer checkt die Flugzeuge anschließend durch, und damit sind die besten Voraussetzungen für ein unfallfreies Fliegen geschaffen.

Auch das Flugfeld wird auf die bald beginnende Saison vorbereitet. So ist der ehemalige Leiter des Umweltbüros der Stadt Rotenburg, Gerd Mante, mit Lothar Hirchert am Wochenende damit beschäftigt, das Grün mit großen Gummireifen an Ketten und riesigen Walzen, die hinter einen 1,5-Tonner-Unimog gespannt werden, zu bearbeiten. Der Frühling hält ja bald Einzug. Und dann starten auch wieder die Flieger.

Udo Arronet bei Schweißarbeiten in der Vereinswerkstatt auf dem Segelfliegergelände neben der Kaserne.


Lothar Hirchert (I.) und Gerd Mante bereiten die Bearbeitung des Flugfeldes mit Gummireifen vor. 

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VfL-Rotenburg (Wümme) e.V.
aktualisiert am 23.02.2020