Presseberichte

Samstag, 05. Juni 2021

Rotenburger Rundschau

Einmal abheben, bitte!

Verwaiste Orte: Zu Besuch auf dem Segelflugplatz

Hans-Joachim* Neupert und Christian Rinn hoffen auf ein schnelles Wiedererwachen des Segelflugsports in Rotenburg. ©Judith Tausendfreund

Unter dem Titel „Verwaiste Orte“ stellen wir regelmäßig beliebte Rotenburger Einrichtungen und Treffpunkte vor, die in diesen Tagen coronabedingt weitgehend menschenleer sind. Auch der Flugplatz der Rotenburger Segelflieger war dabei.

VON JUDITH TAUSENDFREUND



Rotenburg. Bei den Fans der Segelflugzeuge ist es momentan genauso wie fast überall: Wer fliegen will, muss einen Corona Schnelltest machen. Direkt am Eingang der Flugzeughalle, die in unmittelbarer Nachbarschaft zur Von-Düring-Kaserne liegt, liegen die Tests parat – immerhin, durch diese Möglichkeit kann der Verein nun langsam wieder mit seinen Aktivitäten anfangen.

„Unser Gelände war in der Tat in den letzten Monaten ein sehr verwaister Ort“, wissen Hans-Joachim* Neupert und Christian Rinn, Vorstandsmitglied des Vereins für Luftsport. „Vor allem die Jugendlichen haben wir ein wenig aus den Augen verloren. Und jetzt, wo wir wieder fliegen dürfen, haben wir derzeit weniger Resonanz als erwartet – noch“, berichten die zwei von der aktuellen Situation.

Normalerweise wird zwar den Winter über nicht geflogen, aber die Vereinsmitglieder treffen sich im Vereinsheim, in den Werkstätten, in der Halle. Denn alle Fans der Segelfliegerei, die hier aktiv sind, engagieren sich stark in der Wartung und Pflege der vielen Maschine und am Ende auch der Flugzeuge. „Das ist eine Originalwerkstatt aus den 1920er-Jahren“, scherzen die beiden mit Blick auf die vielen Maschinen und Werkzeuge. Im Winter wird so viel wie möglich gepflegt und wenn nötig repariert, „damit wir im Sommer so viel wie möglich fliegen können“, so Rinn. Doch in diesem Winter ließ sich das seit den 50er-Jahren eingespielte Programm corona-bedingt nicht umsetzen. „Wir konnten die Wartung und Pflege diesmal nur im ganz kleinen Team angehen“, ergänzt Neupert. Die Flugzeuge müssen regelmäßige zu einer Art ‘TÜV’ gebracht werden, auch viele andere Pflegerituale müssen erledigt werden. „In den letzten Monaten hatten wir jedoch keinen Vereinsbetrieb, auch konnten wir die Ausbildung nicht durchführen“, berichten die beiden weiter. Zwar ist die Ausbildung an sich erlaubt, aber so lange sich nur zwei Personen aus zwei Haushalten treffen durften, konnte eben vieles nicht umgesetzt werden. „Fliegen ist ein Mannschaftssport, wenn ein einziger Mensch fliegt, sind fünf weitere dabei, die das ermöglichen“, erläutert Rinn, der auch als Fluglehrer aktiv ist und seit 2005 den Vorstand übernommen hat. Nur zur zweit käme man gar nicht erst in die Luft.
Die lange Auszeit ist für die Vereinsmitglieder auch insofern problematisch, als dass die Flieger entsprechende Lizenzen benötigen. Um diese zu verlängern, müssen die Betroffenen eine gewisse Anzahl von Flugstunden nachweisen. Keine Frage, die Vereinsmitglieder mussten sich arrangieren – umso schöner ist es, dass nun nach und nach das Vereinsleben wieder erwachen kann.

Fünf Segelflugzeuge und ein Motorsegler gehören dem Verein, in der Zeit von April bis Juli finden regulär die meisten Flüge statt. „Diese Saison wird noch kurz, aber mit Blick auf 2022 hoffen wir alle auf eine gewisse Normalität“, freut sich der Erste Vorsitzende Rinn. Das Gemeinschaftsgefühl, die vielen gemeinsamen Aktivitäten, all dies fehlte doch arg, berichtet er weiter. „Sport funktioniert nur in einem Verein, der auch aktiv sein kann“, beschreibt er. Das große Engagement aller Mitglieder wird jedem Besucher schnell klar, denn in der Halle und den angrenzenden Räumlichkeiten steckt sichtbar viel Arbeit: „Wir machen fast alles selbst, damit wir die Gelder des Vereins in möglichst gute Flugzeuge investieren können“, berichten die beiden. Auf dem Gelände ist der Verein zudem zu Gast: „Wir verdienen uns das Fliegen, in dem wir die gesamte Platzpflege für den Flughafen übernehmen“, ergänzen sie. Da werden Wiesen abgeschleppt, ganze Hallentore neu aufgestellt und vieles mehr. Ein Teil des Geländes gehört dem Verein, der an die 100 Mitglieder zählt, darunter auch etwa 15 Jugendliche. Für diese gibt es einen eigenen Bereich, wo sich die Teenager aufhalten können, auch mal ein gemeinsamer Grillabend kann dort realisiert werden – so langsam wird auch hier das Vereinsleben wieder erwachen.

*hier korrigiert!

Das Schulflugzeug wurde erst im vergangenen Jahr angeschaft. Fotos: Judith Tausendfreund

Der Bus des Vereins fährt mit zum Start- und Landeplatz der Segelflugzeuge.

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VfL-Rotenburg (Wümme) e.V.
aktualisiert am 02.07.2021