Rundschau 15.07.2023
Der Traum vom Fliegen

Der Traum vom Fliegen
Der Rotenburger Leon Braunsburger hat den Berufspilotenschein

 

VON MICHAEL SCHWEKENDIEK

Rotenburg
– Er war mal der jüngste Rotenburger Flugschüler: Schon mit 14 Jahren absolvierte Leon Braunsburger aus Rotenburg seinen ersten Alleinflug im Segelflugzeug. Heute ist er 27 und hat endlich das, wovon er schon als Kind geträumt hat: Die Berufspilotenlizenz.

 

Bei Traumwetter die Küste entlangfliegen –
besonders bei auf- oder untergehender Sonne –
das ist unvergleichlich und unvergesslich.
Leon Braunsburger über das Fliegen im französischen Montpellier

 

Dabei hatte die Geschichte hinter der „Commercial Pilot License“ (CPL), wie der Schein auf Englisch heißt, ganz banal angefangen: Ein Verwandter hatte noch einen alten Flugsimulator für den PC. Das begeistert den kleinen Leon, damals zehn Jahre alt. Auch die Modellfliegerei fasziniert ihn. Als er 13 ist, nimmt ihn ein Bekannter mit auf einen Segelflug und erzählt ihm, dass man einen Segelflugschein bereits mit 14 machen könne. Augenblicklich meldet sich der Enkel der inzwischen verstorbenen Hedda Braunsburger, langjährige Rotenburger SPD-Politikerin und stellvertretende Bürgermeisterin, an und wird tatsächlich der jüngste Rotenburger Flugschüler. Schon sehr bald ist ihm klar: Er will Berufspilot werden. Bis dahin allerdings ist es noch ein weiter Weg. Nach dem Abitur geht Leon Braunsburger zur Bundeswehr. Er will dort seine fliegerische Ausbildung machen und wird intensiv getestet. Dabei geht es zunächst um die einzuschlagende Offizierslaufbahn an sich. Dafür steht schon manche Prüfung an. Danach folgt dann die fliegerische Eignungsprüfung. Verhalten in der Gruppe, Verhalten in Extremsituationen, ja, selbst solche Banalitäten wie die Frage, ob eine Rechts-Linke-Schwäche vorliegt - immerhin 20 bis 30 Prozent aller Menschen lassen diese erkennen. Dann folgt eine viertägige, intensive medizinische Untersuchung, bei der, so Braunsburger, „wirklich alles gründlichst durchgecheckt wird“. Und erst dann beginnt die fliegerische Ausbildung.

Wie viele Bewerber schaffen das überhaupt? Genaue Zahlen gibt es nicht, aber das Internet lässt vermuten, dass die Zahl derer, die es ins Cockpit schaffen, deutlich unter fünf Prozent der Bewerber liegt. Das bestätigt auch der Rotenburger Neu-Pilot. Der darf nach seiner intensiven Ausbildung im Flugzeug und vor allem auch am Flugsimulator nun erst einmal „zweimotorige Flugzeuge mit Kolbenmotor im Sicht- und Instrumentenflug“ führen.

Zum 1. Oktober geht es dann für ihn nach Köln, wo die Ausbildung für größere Maschinen erfolgt. Leon Braunsburger schwebt vor, bei der Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums einzusteigen. Der „Kampfjet“, also der Einsatz in den superschnellen militärischen Kampfflugzeugen, wie man sie kürzlich bei der großen Übung „Air Defender“ medial erleben konnte, wäre eine andere Ausbildung. „Ich bin eher ein Teamplayer“, merkt er an. „Im Kampfjet ist man meistens allein oder maximal zu zweit“.

Die Flugbereitschaft ist unter anderem auch für die Versorgungsflüge der Bundeswehr zuständig, und Braunsburgers Traum wäre, mal den Airbus 320 zu fliegen. Der Weg dahin beginnt also demnächst in Köln und dürfte kürzer werden, als der Laie vermutet: Etwa drei Monate weitere Ausbildung, überwiegend am Simulator, warten dort auf die jungen Piloten. Dann stünde ihnen theoretisch auch dieses Cockpit offen.

Seine CPL ist dabei keine rein militärische Flugerlaubnis sondern gilt allgemein auch für den zivilen Bereich. Allerdings ist Braunsburger noch bis mindestens September 2033 bei der Bundeswehr verpflichtet, was er durchaus nicht als Last empfindet. Im Gegenteil, die Bundeswehr, so der jetzige Oberleutnant, sei „ein spannender Arbeitgeber“ mit einer „zwar anspruchsvollen und fordernden Ausbildung“, die aber „ganz viel Spaß“ mache. Hinzu kommt, dass das Team eine sehr große Rolle spiele, was ihm sehr entgegenkomme. Zu seiner Klasse gehören 21 junge Offiziere, die die meisten Ausbildungsschritte gemeinsam gehen. Ein Teil der Ausbildung war im Übrigen auch ein dreijähriges begleitendes Studium der Luftfahrttechnik.

Zu den schönsten Erlebnissen während seiner Ausbildung zählt Leon Braunsburger Einsätze in Montpellier, Südfrankreich. Dort „bei Traumwetter die Küste entlangfliegen - besonders bei auf- oder untergehender Sonne - das ist unvergleichlich und unvergesslich.“ Eine richtig kritische Situation beim Fliegen, mittlerweile hat er immerhin gut 400 Flugstunden absolviert, hatte er übrigens noch nie. „Nur im Simulator“, fügt er an, „da trainieren wir solche Situationen ja ganz gezielt und immer wieder“. Man merkt dem jungen Piloten seine Begeisterung übrigens in jeder Minute an. Zwar gäbe es „natürlich auch anstrengende Phasen“, aber man werde „immer wieder belohnt“.

Bei unserem Gespräch sitzen wir - wo sonst? - auf der Terrasse des Rotenburger Flugplatzrestaurants. Das Wetter ist herrlich und der Flugverkehr durchaus rege. Leon Braunsburger kennt jedes, aber wirklich jedes Flugzeug mit Herstellerfirma und Typenbezeichnung. Nach wie vor ist er auch als Segelfluglehrer beim Rotenburger Verein aktiv. Von Köln aus (zur Zeit ist er noch in Bremen) wird das vermutlich schwieriger, und dann werden auch weitere Auslandsaufenthalte folgen. „Der internationale Austausch bei unserer Ausbildung ist ja auch faszinierend“, bemerkt er. Die USA sind für alle Bundeswehrpiloten ohnehin obligatorisch. Zwar habe er „einen Beruf, bei dem man nicht so viel zuhause ist und quasi beruflich reisen dürfe“, aber genau das sei eben auch faszinierend und „absolut mein Ding“. Leon Braunsburger verwirklicht gerade seinen Traum.

Rotenburger Rundschau